Cyberpunk 2077
Bis mir Google auf Stadia den Hahn abgedreht hat, habe ich noch Cyberpunk 2077 über die Cloud gezockt und war da auch erstaunlich gut dabei. Die Welt gefiel mir extrem gut, die Missionen waren cool und der Schwierigkeitsgrad auch für einen Gelegenheitsspieler okay. Und vor gut einer Woche staunte ich nicht schlecht, als Commodore da etwas verkündete. Eigentlich bin ich bei Hardware-Neuauflagen im Retro-Bereich sehr vorsichtig geworden, denn meistens bekommt man für viel Geld eine mittelmäßige Software-Emulation in einer klapprigen Plastikhülle. Die Ausnahmen befinden sich in meinem Office. Die Infos zum Commodore 77 liegen, wie angemerkt, hier jetzt schon seit gut anderthalb Wochen auf dem Tisch, aber das Konzept musste ich mir erst einmal in Ruhe ansehen. Das ist nämlich kein schnelles Cashgrab-Produkt, denn CD PROJEKT RED und Commodore haben hier, laut eigenen Angaben die erste Franchise-Hardwarepartnerschaft in der 68 jährigen Geschichte des Unternehmens, einen völlig überzüchteten C64-Nachbau entwickelt.
Die technische Grundlage liefert natürlich der Commodore 64 Ultimate.
Zur Einordnung:
Das historische Original läuft mit 1 MHz vor sich hin. Commodore verspricht eine Kompatibilität von über 99,9 Prozent zu mehr als 10.000 alten Spielen und der entsprechenden Peripherie. Das ist eine sportliche Herstellerangabe, aber der C64 Ultimate hat in dieser Hinsicht glücklicherweise einen sehr verlässlichen Ruf und so spart man sich zusätzliche Powermodule.
Dass das neue Gerät ein absoluter optischer Sonderfall ist, wurde mir auch nochmal bestätigt, als mein Kumpel Dardan, der kürzlich auf der Gamescom unterwegs war, mir ein paar Fotos von dem Teil rüberschickte. Das Gehäuse trägt ein Seocho-Electronics-inspiriertes Design direkt aus dem Cyberpunk-2077-Universum und das wurde tatsächlich sehr genial umgesetzt. Oben eine gebürstete Metallplatte mit 66 mechanischen Tasten im klassischen Layout und darunter sitzen Gateron Pro 3.0 Switches mit 55 g Auslösekraft. Unten gibt es ein rauchgraues, teiltransparentes Gehäuseunterteil mit Graffiti-Markierungen, Neon-Indikator und türkisfarbenen Leuchteffekten. Wow.
Interessant wird es bei den Anschlüssen, denn hier prallen dann zwei Epochen aufeinander. Du bekommst ein sauberes 1080p-Bild über HDMI (laut Hersteller mit „praktisch keiner“ Bildlatenz), Ethernet, integriertes WLAN und USB-C. Gleichzeitig sitzen auf der Platine aber die alten Ports für die Datasette, IEC-Laufwerke und zwei DB-9-Anschlüsse für Joysticks. Disketten-Images und Dateiformate wie .D64, .TAP oder .PRG lassen sich ganz modern über microSD oder per integrierter CommoServe-Suche direkt am Gerät laden. Auch GEOS wird voll unterstützt, was bei meinem Original mangels Speichererweiterung nicht funktioniert.
Für den Ton sind auf dem Board zwei Sockel für originale SID-Chips vom Typ 6581 oder 8580 verbaut. Wer keine Originalteile im Schrank liegen hat, nutzt einfach die acht emulierten SIDs im FPGA für bis zu 24 Audiokanäle. Der Sound lässt sich dann ganz sauber über einen optischen S/PDIF-Ausgang abgreifen.
Das ergibt auch direkt Sinn, wenn man sich den Lieferumfang der Edition ansieht.
Das Paket zielt ganz klar auf Sammler ab und das System startet standardmäßig in einer eigenen Cyberpunk-BASIC-2.0-Ansicht.
Im Karton liegt außerdem eine exklusive „Shard“-Cartridge mit einer 8-Bit-Cyberpunk-Demo. Produziert wurde das Ganze von der polnischen Demogruppe Arise, den 24-kanaligen Soundtrack liefert LukHash.
Wichtig für die Erwartungshaltung:
Das ist kein interaktives Spiel, sondern eine audiovisuelle Demoszene-Produktion, bei der passenderweise auch die LEDs im Gehäuse auf die Musik reagieren. Ein spiralgebundenes Handbuch mit Lore und BASIC-Listings zum Abtippen, Sticker und Pins liegen ebenfalls bei.Wer noch einen User-Port-Adapter oder einen frischen TAC-2-Joystick braucht, muss den allerdings separat kaufen.
Der offizielle Ankündigungspreis liegt als Vorbestellung bei 377 US-Dollar.
Im deutschen Shop standen zuletzt knapp 325 Euro, allerdings ohne Steuern.
Für den anvisierten Versand im Februar 2027 können sich laut Hersteller also durchaus noch Details ändern.
Der Commodore 77 verkauft nicht einfach Nostalgie mit gelbem Anstrich. Der Commodore 77 ist ein offiziell lizenzierter, FPGA-basierter Commodore-64-Ultimate-Sonderling für Retro-Software, BASIC und Demos technisch modernisiert, optisch tief in Night City verankert.
Ich finde das großartig, werde aber sicher nicht jetzt noch bei Batch 4 einsteigen. Dennoch, sehr cool.

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