Was haben The Winston Brothers und Böhme Fruchtkaramell (FruKa) gemeinsam?
Du kennst diese kleinen, quadratischen Dinger im bunten Papier mit Sicherheit noch, diese Kaubobons, früher zwei Pfennig am Büdchen, kurzer, süßer Geschmack und danach klebten die Zähne zusammen. Wenn du dir das Cover der neuen The Winston Brothers LP „Sweets“ ansiehst, weißt du exakt, woher die gestalterische Inspiration kommt. Das ist schon ziemlich nice, denn musikalisch bekommst du hier etwas gänzlich anderes als einen zweiminütigen Zuckerschock präsentiert. Statt eines kurzen sweeten Tastes gibt es Dauerfeuer: Funk, Breakbeats, Funky Drummer und feinsten instrumentalen HipHop.Also, auf dem ersten Blick keine Gemeinsamkeit.
Doch warte....
Das Vinyl liegt mir nun schon seit geraumer Zeit auf dem Plattenteller, und die Scheibe weigert sich standhaft, wieder ins Regal zu wandern. Das hat Gründe.
Was das Cover nun mit dem Inhalt gemeinsam hat?
Es sind im Grunde Retro-Klassiker mit unterschiedlichen Geschmackssorten. Ahhhh... jetzt wird ein Schuh daraus. Und hey, nochwas... man liebt beides.Die treibenden Kräfte hinter The Winston Brothers sind keine Unbekannten.
Sebastian Nagel (früher bei The Mighty Mocambo) und der Schlagzeuger und Percussionist Lucas Kochbeck (The KBCS, die wir unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Thomas D kennen). Zusammen gestalten und beeinflussen sie den heutigen Hamburger Soul-Sound maßgeblich. wie sie es auch schon zusammen mit u.a. Carsten Meyer (Erobique) mit als Hamburg Spinners umsetzen.
Vier Jahre nach ihrem Debütalbum geht es jetzt auf „Sweets“ tief zurück in den Hard-Funk-Groove. Es klingt nach den bläserlastigen 70er-Jahre-Filmmusiken, nach Leuten wie Isaac Hayes, Roy Ayers oder Willie Hutch und das ist natürlich amtlich. Und ja, das ist ein Terrain, auf dem man schnell wie eine blasse Retro-Kopie klingen kann, aber genau das passiert hier halt nicht. Die Winston Brothers verpassen dem Genre genug rohe Ecken und Kanten um einen eigenen Stil beizubehalten.
Interessanterweise lief der Prozess für diese Platte schon an, bevor das Debüt „Drift“ 2022 überhaupt draußen war. Laut Sebastian Nagel sind tatsächlich 80 Prozent der Schlagzeugspuren während der Corona-Zeit entstanden und vielleicht ist genau das der Grund, warum die Arrangements so viel Atempause haben. Die Pandemie bot die Zeit, der Dynamik der einzelnen Songs den nötigen Raum zu geben, ohne etwas künstlich glattzuziehen. Zwischen den Heimstudios der beiden, Monoplast (Lucas) und Lion Sound (Nagel), wuchs ein analoges Fundament, das sich als reine Hintergrundmusik eigentlich viel zu schade ist.
Diese dynamischen Arrangements spiegeln die Vergangenheit des Genres Funk wider und vereinen es mit zeitgemäßen, organischen Stilen. Da sind die nervösen Chicken-Scratch-Gitarren und fließenden Rhythmen auf einer Nummer wie „Get On Down“. Oder „Kitchen Floor“, das erst ziemlich düster anrollt und dann völlig unerwartet aufmacht, um eine strahlende Wärme auszustrahlen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Sounds sind aber die Bläser.
Kimo Eiserbeck (Saxofon und Flöte) und Hans Stephan (Trompete) bekommen ordentlich Platz und ich weiuß ich wiederhole mich, aber es ist wie mein Freund Kwesi sagt, immer gute Musik, wenn ein Bläserset in der Musik vorhanden ist. Nagel hat die Arrangements laut eigener Aussage extra so geschrieben, dass den Musikern genug Freiraum bleibt, die Stücke auf ihre ganz eigene Weise zu interpretieren. Und weil die Hamburger Szene ohnehin eng vernetzt ist, tauchen auf dem Album natürlich auch eingangs erwähnte Musikpartner wie Carsten Meyer (alias Erobique) am Synthesizer und Max Whitefield an der Percussion auf.Nagel fasst es ziemlich passend zusammen:
Man hat mal als Schulprojekt angefangen, heute ist es eine handfeste Familiensache.
Tja, und genau so familiär und verbunden kommt alles rüber.
„Sweets“ erscheint am 6. November über Colemine Records, ein Label, bei dem man ohnehin weiß, dass Qualitätskontrolle kein Fremdwort ist. Es ist ein handwerklich unfassbar gutes Stück Musik, das den Vibe von damals nimmt und ihn extrem lebendig auf deinen Teller legt.
Und heute, ja heute, hören wir in einen Vorabtune rein, denn die netten Leute von Colemine haben da eine Preview für uns vorbereitet.
Greif zu, dieses Bonbon hält deutlich länger, als die kleinen Frukas.
Also vormerken:
The Winston BrothersAlbum "Sweets"
Releasedate: 06.11.2026
Formate: Vinyl, CD und digital