Soul im Jahr 2026 | Honeybear, the Band
Ganz ehrlich, wenn dir heute jemand erzählt, er hätte eine neue Soul- und Roots-Band entdeckt, rechnest du meistens erst einmal mit weichgespültem Retro-Kitsch, was ja nicht zwangsläufig sein muss, wie ich hier im Blog regelmäßig beweise.Honeybear, das Quartett aus Vancouver hat gerade sein neues Album „The Cure“ veröffentlicht und das Ding macht genau das, was Musik eigentlich tun sollte: Es drückt den richtigen Schalter im Kopf und schiebt den Alltag zur Seite. Genau so ein Zeug, was mir ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert.
Honeybear gibt es offiziell erst seit 2023, aber die Jungs sind alles andere als Anfänger. Die Bandmitglieder kennen sich ewig, sind jahrelang in unterschiedlichsten Formationen über die Highways von Kanada bis an die amerikanische Westküste getingelt und haben auf so ziemlich jedem relevanten Folk- und Bluesfestival gespielt. Als dann die Pandemie zuschlug und die Bühnen von einem Tag auf den anderen dichtmachten, saßen sie plötzlich auf dem Trockenen. Was macht man als Musiker? Man geht nach draußen in den Parks von British Columbia, hängten ihre Verstärker und PAs an provisorisch zusammengeschraubte Motorradbatterien und jammten einfach los, aus reinem musikalischen Selbsterhaltungstrieb.
Und genau diesen organischen, völlig entspannten Vibe hörst du jetzt auf „The Cure“.
Kein überproduzierter Hochglanz eher wie es irgendein schlauer Musikblog geschrieben hat:
Honeybear klinge, als hätten die Teskey Brothers mit dem Geist von Muddy Waters gemeinsame Sache gemacht.
Das ist ein ziemlich großes Etikett, aber es trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Das ist staubiger Americana-Sound, getrieben von satten Bläsern und einer analogen Wärme, die man heute fast schon mit der Lupe suchen muss. Und wie mein Kumpel Kwesi neulich sagte, sobald Bläser in der Musik sind, kannst du davon ausgehen das es gut ist. Und überzeuge mich vom Gegenteil, denn er hat recht.
Hier wird die Platte für mich richtig interessant. Wenn du dir die Texte genau anhörst, geht es da oft gar nicht so sonnig zu. Da werden durchaus Probleme gewälzt, das Leben zeigt Zähne, die Beziehungen fliegen auseinander. Aber die Musik darunter? Die fängt das sofort wieder auf. Ein Song wie „Just Your Fool“ läuft an und du hast unweigerlich gute Laune, selbst wenn im Text gerade Melancholie angesagt ist. Das ist aus meiner Sicht eine ziemliche Kunst es so hinzubekommen. Du nickst mit dem Kopf, der Fuß tippt mit, und die schweren Gedanken bleiben draußen. Ja, es ist eine Art musikalischer Stoizismus, der einfach gut tut.
Kleiner Fun Fact am Rande:
Keyboarder Mike Kenney dürfte von allen Bandmitgliedern die meisten ausverkauften Shows in der riesigen Rogers Arena in Vancouver gespielt haben, allerdings nicht als Rockstar, sondern als der offizielle Organist der Vancouver Canucks beim Eishockey.
Braucht man 2026 noch eine Vintage-Soul-Platte?
Wenn sie so unaufgeregt und ehrlich klingt wie diese: absolut.
Honeybear wollen natürlich mit „The Cure“ nicht das Genre neu erfinden. Das ist keine verkopfte Konzeptkunst, es ist schlichtweg ein großartiges Stück musikalisches Handwerk von Freunden, die wissen, wie man einen Groove aufbaut. Und ja, es holt mich ab, gerade wenn ich so Tracks wie "Fake it Till you Make it" höre.
Gönn dir also das Album.
Am besten hörst du es nicht nur nebenbei aus dem blechernen Handylautsprecher, sondern gibst deiner Anlage oder dem Verstärker mal etwas anständiges Futter, denn das Ding hat es verdient.