Weird Nightmare | „Hoopla“ als freundliches Gegenlicht, das wir gerade brauchen
Es gibt diese alte Musikweisheit: Jede Band, die es wirklich ernst meint, hatte irgendwann jemanden hinter dem Tresen eines Plattenladens stehen. Bei METZ war das Alex Edkins. Sänger, Gitarrist, echter Lärmarbeiter. Tagsüber Uni, danach Vinyl verkaufen. Indie, Hardcore, alles, was knarzt und lebt. Er hat sich durch die komplette Rockgeschichte gefressen, von den psychedelischen Sechzigern über Neunziger DIY bis weit darüber hinaus.
Und genau dort beginnt die Reise von Weird Nightmare . Mit dem neuen Album „Hoopla“, das am 1. Mai 2026 via Sub Pop erscheint, legt Edkins jetzt den zweiten Langspieler seines Soloprojekts vor. Und ja, das Ding fühlt sich an wie dieses eine Tape, das man im Autoradio einfach nicht rausnimmt. Es läuft. Immer wieder. Der Kanadier hat da bei mir einen Nerv getroffen.
Vom nächtlichen Tüfteln zum Breitwand Pop
Das selbstbetitelte Debüt erschien 2022. Damals noch komplett selbst aufgenommen, oft tief in der Nacht entstanden, während sein Sohn schlief. Es war Edkins’ Happy Place während der Pandemie, geprägt von Lo-Fi-Ästhetik und ehrlichen Melodien. Also alles gut gedacht, aber noch einfach gemacht, dabei hört es sich trotzdem gut an, teilweise sogar grungig.
Mit Hoopla zieht er den Kreis nun deutlich größer. Produziert wurde das Album gemeinsam mit Jim Eno (Spoon) in den legendären Machines-with-Magnets-Studios. Klanglich öffnet sich hier eine neue Welt. In Stücken wie der Single „Might See You There“ hört man plötzlich Klavier, Glocken und sogar Kastagnetten. Inspiriert von der Phil Spector Produktion der Ramones End of the Century. Alles wirkt glänzender, aber nie glatt. Eher so, als hätte ein Indie Regisseur nach seinem Low-Budget-Debüt plötzlich Geld für 35 mm Film bekommen und wüsste noch nicht genau, wie er das alles umsetzen soll, dreht aber trotzdem einen verdammt guten Streifen.
Power Pop mit nostalgischem Biss
Hoopla klingt sonnig, aber nicht naiv. Edkins kanalisiert Einflüsse von Cheap Trick bis Weezer und verarbeitet viel Teenage Nostalgie, dieses Gefühl von Isolation in der Kleinstadt, die man eigentlich nur verlassen wollte. Die Produktion ist direkt und unaufgeregt. Du sitzt praktisch mit im Raum, während Loel Campbell am Schlagzeug und Roddy Kuester am Bass die Songs nach vorn peitschen. Als Bonus veredelt die großartige Julianna Riolino einige Refrains.
Das Ergebnis ist Power Pop in seiner reinsten Form. Man könnte die Platte problemlos zwischen The Replacements und Elvis Costello einsortieren.
Wenn du lieber direkt rüber willst: Bandcamp öffnen .
Apropos Streamen | Haptisch ist einfach geiler
Gute Musik auf physischem Medium zum fairen Preis ist selten geworden. Die Colored Vinyl Edition von Hoopla lässt sich aktuell für schmale 24,00 € vorbestellen . Für eine LP in dieser Qualität ist das ein ehrlicher No-Brainer.
Kein Zynismus | nur Leuchten
Was Hoopla wirklich trägt, ist seine Haltung. Dieses Album ist ein optimistischer Pep Talk in einer schrägen Zeit. Edkins sagt offen, dass er die Welt trotz allem noch liebt und lädt dich ein, das für einen Moment auch zu tun. Kein Zynismus, kein Schulterzucken. Einfach Songs, die zeigen, dass Popmusik immer noch leuchten kann.
Also, nimm dir die halbe Stunde. Dreh es laut auf. Lass es laufen. Hoopla ist ein kleines Stück Weitwinkel-Pop-Magie. Und ja, das tut gerade verdammt gut.
