Ollee Watch | Warum sie bei mir die perfekte Zweituhr wird
Meine Pebbles sind mir lieb und teuer. Punkt. Als Hauptuhren sind sie für mich nach wie vor absolut gesetzt. Emotional, funktional, vertraut. Gar keine Frage. Aber kommen wir jetzt direkt zu einem weiteren kanadischen Produkt.
Denn seit die Ollee Watch in meiner Casio F‑91W sitzt, greife ich wahrscheinlich deutlich öfter zu ihr. Nicht aus Nostalgie, sondern weil sie mir genau das gibt, was viele moderne Smartwatches verlernt haben. Ruhe.
Die Ollee Watch verwandelt eine klassische Casio F‑91W (und weitere Modelle) in eine smarte Alltagsuhr. Das Originalgehäuse und der Retro-Look bleiben erhalten, innen sorgt eine moderne Platine mit Bluetooth und Sensorik für erweiterte Funktionen wie Schritt- und Temperaturtracking, Health Sync und mehr.
Kurz gesagt: Eine Casio mit smarter Seele, die sich bewusst zurücknimmt.
Ich habe auf Atomlabor bereits zwei Beiträge zur Ollee Watch veröffentlicht.
Konzept, Roadmap, Einordnung. Jetzt geht es um das Tragen. Den Umbau erledigt, ein paar Tage Alltag hinter mir. Zeit für eine ehrliche Perspektive aus der Praxis.
Gegor, der Erfinder der Ollee (sein Nachname) Watch, hat mir die Austauschplatine aus Kanada zukommen lassen und ich bin begeistert. Der Umbau soll nach seinen Angaben rund 10 Minuten dauern, und nach ca. 7 Minuten war die Uhr schon an meinem Handgelenk.
Grundsätzlich ist es also ein kompletter Platinenaustausch. Das Original wird mit einem Cortex‑M‑Mikrocontroller mit BLE (Bluetooth Low Energie) ersetzt, der RGB‑Backlight, programmierbarer Namens‑Tag, Gestensensor, Thermometer und Beschleunigungsmesser mitbringt. Man macht die betagte Uhr der 80er also quasi smart.
Die Casio als bewusste Alternative zur "normalen" Smartwatch?
Die Casio F91W war natürlich nie dafür gedacht, eine Smartwatch zu sein. Genau das macht sie so stark. Robust, leicht, unaufgeregt. Ollee verstärkt diesen Charakter, statt ihn zu überformen. Heraus kommt keine Pebble, aber eine Casio mit erweiterten Sinnen.
Wenn ich zur Pebble greife, will ich Überblick. Termine, Musiksteuerung, Struktur. Wenn ich zur Ollee Casio greife, will ich Fokus. Schritte zählen (erstaunlich genau, mit gerade mal <2 % Abweichung), Zeiten messen, Daten sammeln. Ohne dass mir die Uhr ständig mitteilt, dass irgendwo irgendwas passiert. Beide sind reduzierter und sorgen für mehr Fokus und Klarheit im Alltag. Aber jede Uhr hat einen speziellen Einsatzbereich, zumindest in meinem Leben.
Ollee Watch | Funktionen & Features
- Uhr mit Kalender, automatische Synchronisation über die App
- Wecker mit wählbaren Tagen, Signalton, Schlummerfunktion und Stundensignal
- Stoppuhr (1/100 Sekunde) mit Aufzeichnungsfunktion
- Weltzeit, Zeitzone in der Uhr oder App einstellbar
- Timer mit fünf programmierbaren Voreinstellungen
- Sonnenauf- und untergangszeiten basierend auf Standort
- Schrittzähler mit Tagesziel und Alarm
- Pulsmessung über manuellen Pulsmodus (Pulsometer)
- Temperaturmessung mit stündlicher Aufzeichnung
- Zählerfunktion mit Protokoll und Zeitstempel
- Taschenlampe mit drei Modi
- Ping Pong Mini-Spiel (Ball & Paddle)
- Blackjack: klassisches Casino-Spiel
- Uhrzeit manuell einstellen für Zeit & Datum
Der Alltag mit der Ollee Watch | So sieht er aus
Was auf dem Papier unspektakulär klingt, funktioniert im Alltag erstaunlich rund. Der Schrittzähler läuft unauffällig mit, die Schritte sind direkt auf der Uhr abrufbar. In der App warten saubere Auswertungen ohne Fitnesspathos. Alles straight und hervorragend formatiert. Gregor kommt aus der Sparte "Programmierer" und hat ein Händchen für gutes UI und UX.
Die Temperaturmessung ist eines dieser Features, die man erst versteht, wenn man sie nutzt. Gerade unterwegs oder auf Reisen entsteht ein echtes Gefühl dafür, wie sich ein Tag körperlich angefühlt hat. Natürlich ist das eher Spielerei, aber ich finde es schon beeindruckend, wenn man an einer Uhr, welche nie dafür vorgesehen war, die aktuelle Temperatur ablesen kann.
Dazu kommen natürlich alle klassischen Casio-Disziplinen: Uhrzeit mit automatischem Abgleich, Alarme, Timer, Stoppuhr, Weltzeit sowie Sonnenauf- und ‑untergangszeiten. Alles flexibler als beim Original, ohne den Charakter zu verlieren. Statt an der Uhr alles über die kleinen Knöpfchen einzurichten, kann man die Begleit-App (Android & iOS) nutzen und dort alles übersichtlich und komfortabel einrichten.
Besonders charmant sind dann noch die kleinen Spiele. Minispiele auf einem Display, das eigentlich nichts kann und nie dafür vorgesehen war, und es funktioniert trotzdem. Das erinnert an frühe LCD-Spielzeuge und fühlt sich für mich genau richtig an.
Der Pulsmodus bleibt konsequent oldschool, wie ich ja schon in meinem ersten Beitrag erwähnte. Kein optischer Sensor, kein Lichtgewitter. Du misst selbst, die Uhr rechnet. Genau diese Haltung zieht sich durch das gesamte System. Und es ist aus meiner Sicht genauso akkurat wie von einem Sensor. Wie es genau funktioniert, erklärt übrigens eine kleine Anleitung in der App. Alles durchdacht, was mich wirklich begeistert.-
Und der Clou ist natürlich die Laufzeit.
Wochen, Monate. Kein Laden, kein Kabel, kein Nachdenken. Das ist der Punkt, an dem selbst meine Pebble kurz nervös schaut, wobei die Neue, welche ich hoffentlich bald am Handgelenk tragen darf, auch auf nahezu 30 Tage Laufzeit kommen soll. Aber die Ollee Watch schafft locker 10 Monate, bis die Knopfzelle ausgetauscht werden muss. Deshalb ist das für mich die perfekte Urlaubsuhr.
Wer es mag (kostet aber ordentlich Power), kann auch seine Uhrenbeleuchtung durch Drehen des Handgelenks aktivieren. Und endlich kann man dank der RGB-Beleuchtung auch die Uhrzeit auf der Casio im Dunkeln erkennen.
Als nettes Gimmick schickt Gegor auch noch einen wiederbeschreibbaren NFC-Tag mit, der hinter das Display geklebt wird. So habe ich mir unter anderem direkt eingerichtet, dass, wenn ich die Uhr mit meinem Handy berühre, die Companion-App direkt auf meinem Smartphone geöffnet wird. Aber du bist da natürlich frei in der Anwendung des Tags.
Und wer es mag, der stellt ein, dass die Uhr nur das Display anzeigt, wenn sie bewegt wird. Liegt sie herum, ist das Display aus. Das spart natürlich zusätzlich Power. Genau solche kleinen Raffinessen liebe ich.
Ollee Watch | Technische Kern Specs
Temperatur Sensor mit Stunden Verlauf
Noch länger im Low Power Modus
Sonnenauf und untergangszeiten
Community Watchfaces und Multi Device Support
Die Zweituhr mit einer klaren Rolle.
Die Ollee Watch ist für mich auch keine Konkurrenz zur Pebble. Sie ist eine Ergänzung. Eine Uhr für Tage, an denen ich weniger will. Für Urlaub, für Wochenenden, für alles, was nicht durchgetaktet sein muss und auch nicht durchgetaktet sein soll.
Ich lasse zukünftig das Smartphone öfter liegen. Trotzdem weiß ich später, wie viel ich gelaufen bin, wie lange ich unterwegs war und wie sich der Tag entwickelt hat. Ohne Push-Meldungen. Ohne Dauerfeedback. Mehr zu mir selbst finden, so ist es zumindest mein Plan. Denn ich lasse mich halt wirklich gerne ablenken und verpasse dadurch familiäre Entwicklungen.
Der Blick nach vorn: Was wird die Ollee Watch in diesem Jahr noch alles können?
2026 wird spannend. Nicht als Feature-Explosion, sondern als saubere Weiterentwicklung.
Geplant sind präzisere Zeitmechanismen, erweiterte Energiesparmodi sowie deutlich flexiblere Timer und Alarmfunktionen. Mehrere parallele Alarme, Intervalltimer und längere Stoppuhren. Dinge, die im Alltag wirklich genutzt werden und auch für meinen Einsatz (Urlaub, Wochenende) absolut Sinn ergeben.
Dazu kommen neue Watchfaces, darunter ein erweitertes Game-C-Design, das den Retrogedanken weiter schärft. Nerdig? Auf jeden Fall.
Optional sollen dann noch Hintergrundfunktionen dazukommen. Benachrichtigungen, Musiksteuerung, Wetter, Kalender-Sync und Automationen. Wichtig bleibt der Kern. Alles ist abschaltbar. Die Uhr soll nicht lauter werden, sondern nur vielseitiger. Denn mehr Funktionen bedeuten natürlich auch mehr Batterieverbrauch. Bei Dauerfeuer vom Bluetooth und allen Sensoren und Funktionen aktiv, schafft die kleine Knopfzelle aber laut einigen Berichten mehr als 3 Monate am Stück – das macht keiner in Real Life, aber man könnte es. Ich habe BT nur zum manuellen Abgleich eingeschaltet, um die Uhr mal abends zu aktualisieren bzw. auszulesen.
Im weiteren Verlauf öffnet sich das System für Community-Watchfaces und mehrere Geräte in einer App. Für Modder und Nerds ein logischer nächster Schritt, und dann wird es natürlich spannend, auf welche Ideen die Community noch kommt.
Es bleibt also für mich ganz klar: Ich werde meine Pebbles weiter als Hauptuhren tragen. Aber die Ollee Watch hat sich ihren festen Platz erarbeitet. Als Zweituhr, als Urlaubsuhr, als bewusst reduziertes Gegenstück, um seine digitale Auszeit zu feiern.
Sie ist kein Statement gegen moderne Smartwatches. Sie ist ein Statement für Maß. Und genau deshalb wird sie von mir getragen.
Ollee Watch One | Kurzinfos zum DIY Kit
Produkt:
Ollee Watch One DIY-Kit zum Umbau kompatibler Casio-Uhren
Preis:
54,99 US-Dollar
Entspricht etwa 50 bis 52 Euro je nach Wechselkurs zzgl. Zoll
Umbau:
Einbauzeit etwa zehn Minuten
Kein Löten erforderlich
Nur einfaches Werkzeug notwendig
Lieferumfang:
Ollee Watch Platine
NFC‑Sticker mit NTAG213 Chip
NFC funktioniert nur mit F91W aus Kunstharz und nicht mit A158W
Benötigtes Werkzeug:
Kleiner Kreuzschlitzschraubendreher, #00
Kleiner Schlitzschraubendreher, 1,4 Millimeter
Pinzette
Kompatible Modelle:
Getestet: F91W, A158W, F84W, A159W, A171W, W59, A163W
Jede Uhr mit dem Uhrwerk Modul 593
Nicht getestet: A164W
Herkunft:
Entwickelt, getestet und versendet aus Kanada
Hinweis:
Vorbestellung mit geplantem Versand im März 2026
olleewatch.com

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