Früher war alles besser? Das meint zumindest das Klima.
Früher war alles besser?
Nun, sicher nicht alles, aber dem Klima ging es wesentlich besser.Wir haben es geschafft beziehungsweise komplett versagt und freuen uns jetzt über frühlingshafte Temperaturen im Januar, über Starkregen im Wochenrhythmus, über Überschwemmungen, Stürme und eine neue Normalität voller Wetterkapriolen. Wenn man es nüchtern betrachtet, dann ist es unser Wirtschaftssystem, das auf permanentem Wachstum basiert und Ressourcen frisst, als gäbe es kein Morgen.
Und wir Menschen sind darin leider ziemlich gut.
Im Zerstören.
Im Verdrängen.
Im Weitermachen.
Im Kriege führen und im Verdrängen.
Kein Gefühl, sondern Messdaten.
Klimawandel ist kein Bauchgefühl und keine Meinung und auf keinen Fall eine ideologische Debatte. Er ist messbar. Seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1880 ist die globale Durchschnittstemperatur laut NASA, NOAA und dem Weltklimarat IPCC um rund 1,2 Grad Celsius gestiegen. Die letzten neun Jahre zählen weltweit zu den wärmsten seit Beginn dieser Messungen. Das ist kein Zufall, das ist ein Trend. Jetzt könnte man Schulzerzucken und sagen: „Ja, und?!“ Man kann aber besser über die Folgen nachdenken und was man jetzt vielleicht noch retten könnte. Könnte... macht man aber seitens der Politik nicht. Es geht um Wirtschaftswachstum, und da beißt sich die Schlange selbst in den Schwanz. Denn wo Klimakatastrophen passieren, bricht die Wirtschaft massiv ein.
Und unser Europa erwärmt sich dazu noch schneller als der globale Durchschnitt. Nach Daten des Copernicus Climate Change Service liegen wir hier bereits bei etwa zwei Grad Erwärmung. Deutschland folgt diesem Muster in großen Schritten. Der Deutsche Wetterdienst zeigt klar, dass sich Hitzetage, also Tage über 30 Grad, seit den 1950er Jahren mehr als verdreifacht haben. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse statistisch signifikant zu. Beides ist sauber dokumentiert, peer reviewed und seit Jahren konsistent. Leugnen hilft hier nicht weiter.
Warum die nächsten zehn Jahre entscheidend sind.
Der aktuelle Sachstandsbericht des IPCC geht davon aus, dass die 1,5-Grad-Marke sehr wahrscheinlich bereits Anfang der 2030er Jahre dauerhaft überschritten wird, wenn sich an den globalen Emissionen nichts Grundlegendes ändert. Diese Schwelle ist übrigens kein symbolischer Wert. Ab hier nehmen nämlich Risiken und Folgeschäden überproportional zu.
Für Mitteleuropa bedeutet das in den kommenden zehn Jahren konkret: häufigere und längere Hitzewellen, mehr Starkregen mit lokalen Überschwemmungen, längere Trockenphasen im Sommer und steigende Belastungen für Landwirtschaft, Infrastruktur und Wasserversorgung. Das sind keine Extremszenarien, sondern mittlere Emissionspfade. Also das, was passiert, wenn wir ungefähr so weitermachen wie bisher. Und soll ich dir etwas sagen? Ich vermute stark, wir machen so weiter und denken, es wird schon gut gehen. Wird es nicht.
Unsere Kinder wachsen mitten hinein.
Kinder, die heute eingeschult werden, erleben Klimawandel nicht als Zukunftsthema, sondern als Normalzustand. Laut Weltgesundheitsorganisation steigt das gesundheitliche Risiko für Kinder durch Hitze bereits jetzt messbar an. Schlafprobleme, Kreislaufbelastungen, Konzentrationsschwierigkeiten. Gleichzeitig werden extreme Wetterereignisse Teil ihres Alltags. Nicht als Ausnahme, sondern als neue Regel.
Das hat auch soziale Folgen. Wer es sich leisten kann, schützt sich. Klimaanlagen, Rückzugsorte, Versicherungen. Wer es nicht kann, trägt die Last. Klimawandel ist längst auch eine Frage von Gerechtigkeit. Aber die Schere geht bekanntlich und nachgewiesen immer weiter auseinander.
Kapitalismus, Technik und unsere Mitverantwortung.
Ja, das Wirtschaftssystem spielt eine zentrale Rolle. Permanentes Wachstum auf einem endlichen Planeten widerspricht grundlegenden physikalischen Gesetzen. Die Erde ist eher ein Raumschiff im Weltall mit endlichen Rohstoffen. Und auch das ist keine Meinung, das ist Thermodynamik. Gleichzeitig wäre es zu bequem, die Verantwortung vollständig auszulagern. Unser Konsum, unsere Mobilität, unsere Akzeptanz von Wegwerfprodukten sind Teil des Problems. Und ich begreife mich auch als Teil dieses Problems mit meinem Handeln. Aber ich versuche wenigstens bewusst Dinge zu vermeiden, die dem Klima weiter schaden. Und soll ich dir noch was sagen: Dem Klima ist das alles egal, wir zerstören eher uns als diesen Planeten, und wenn wir als Virus Mensch von der Erde verschwunden sind, dann lebt der Planet weiter und das Klima beruhigt sich.
Die nüchterne Wahrheit lautet aber auch:
Die nächsten zehn Jahre sind ein Fenster.
Laut IPCC lassen sich viele der schlimmsten Folgen noch deutlich abmildern, wenn Emissionen jetzt schnell und dauerhaft sinken. Nicht durch moralische Appelle, sondern durch saubere Energie, andere Mobilität, effizientere Städte und politische Entscheidungen, die sich an Physik orientieren, nicht an Wahlzyklen. Also Wind, Wasser und Solarenergie.
Die Heatmap sagt mehr als tausend Kommentare.
Die interaktive Heatmap in diesem Artikel ist übrigens kein Spielzeug. Sie basiert auf den globalen Temperaturdaten der NASA und zeigt Monat für Monat die Abweichung vom Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. Jedes vertikale Band steht für ein Jahr, jedes Kästchen für einen Monat. Blau wird seltener. Rot dominiert.
Du kannst mit der Maus durch mehr als ein Jahrhundert Klimageschichte fahren und zusehen, wie sich der Planet erwärmt. Ohne Meinung. Ohne Filter. Nur Daten. Und genau deshalb ist sie so unbequem.
Früher war das Klima stabiler. Das ist belegt. Jetzt ist es das nicht mehr. Und diese Instabilität ist kein abstraktes Zukunftsszenario. Sie läuft bereits. Die Rechnung wird nicht irgendwann fällig. Sie wird gerade geschrieben.
Die letzte Frage:
Was kann man als Einzelperson tun?
Die ehrliche Antwort zuerst: Du wirst den Klimawandel nicht allein stoppen. Und genau dieser Gedanke lähmt viele. Er ist aber auch nur die halbe Wahrheit. Einzelpersonen verändern das Klima nicht direkt, aber sie verändern Systeme indirekt. Und Systeme entscheiden am Ende über Emissionen.
Was messbar wirkt, sind drei Ebenen. Erstens Konsum. Weniger Ressourcenverbrauch, längere Nutzung von Technik, bewusster Umgang mit Mobilität. Nicht perfekt, aber konsequent. Zweitens: Energie. Wer kann, wechselt zu Ökostrom, reduziert Heizenergie und denkt bei Neuanschaffungen an Effizienz.
Das sind keine Lifestylefragen, das sind Kilowattstunden.
Der wichtigste Hebel ist aber politisch und gesellschaftlich. Wählen, Haltung zeigen, nicht jede Debatte den Lautesten überlassen. Klimaschutz scheitert selten an fehlender Technik, sondern fast immer an fehlendem Druck. Veränderungen passieren, wenn sie unbequem werden für diejenigen, die vom Status quo profitieren.
Vielleicht am wichtigsten für uns:
nicht abstumpfen. Daten anschauen, wie hier in der Heatmap.
Verstehen, was passiert. Und dann nicht wegklicken. Klimawandel ist halt kein moralischer Test. Er ist ein physikalischer Prozess. Und Physik verhandelt nicht. Basta.
ClimateChange
Visualisierung der globalen Temperaturanomalien (1880–Heute)
Warte auf Daten...
Daten sind wissenschaftlich verifiziert (NASA GISTEMP v4).
Musste ich nur mal wieder loswerden und dabei nicht vergessen:
Marty McFly told me the Future will be Great.

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