Hast du in letzter Zeit mal versucht, einen wirklich guten Kurzfilm auf YouTube zu finden?
Meistens landet man dann beim Suchen in einem endlosen Stream aus Tech-Demos. Tolle Bilder, null Handlung, mehr auch nicht. Menschen wollen Leads generieren... "Kommentiere "AI Slop" und ich sende dir den prompt zu". Nach zwei Minuten hat man den Shice meist vergessen, weil da einfach niemand etwas erzählen wollte, sonder eigentlich nur verkaufen. Das geht aber auch anders und in diesem Bereich bin ich u.a. auch unterwegs. KI als reines Tool, nicht als Selbstzweck.Nun, ich blieb auf jeden Fall neulich bei Oneiric hängen.
Ein Kurzfilm von Higgsfield. Higgsfield ist ein KI Tool Hub um kreative KI Inhalte zu prompten und sich aus vielen Engines bedienen zu können. Die Prämisse bei dem Proof of Concept Clip ist herrlich greifbar: Vier Studenten hängen im Wohnheim ab und diskutieren über eine neue Techsensation: ein Engine-Plug-in, das direkt ans Gehirn andockt und dich in jede Zeit und an jeden Ort werfen kann. Jeder fantasiert seinen eigenen perfekten Trip zusammen. Bob will in den Trojanischen Krieg, um Helena von Troja mit eigenen Augen zu sehen. Sam sieht sich als galaktischer Pirat im Deep Space. Rudy wählt als Magier auf einem Greif die absolute Fantasy-Route. Soweit so gut, so beeindruckend die Umsetzung.
Was folgt, sind dann die eigenständige Vignetten, die fließend die Genres wechseln. 20 Minuten KI-Output, Open Source und mit einer verdammt unterhaltsamen, tragikomischen Haltung. Wie sich diese scheinbar harmlose Diskussion entwickelt und wohin der Film auf den letzten Metern abbiegt, musst du dir selbst ansehen, ich werde hier ganz sicher nicht das Ende spoilern. Aber man ist zunehmend beeindruckt was möglich ist und wie gut es funktioniert.
Ähnlich stark, aber mit einem völlig anderen Vibe, ist Pomegranate von Zack London, aka gossipgoblin.
Hier geht es um einen Mann, der sich im Grunde kaputt-erlebt hat. Er nutzt abgefahrene Bewusstseins-Simulationen und war schon Krieger, Familienvater, Bauer, er hat über zig Leben hinweg alles gesehen, geliebt und Imperien brennen sehen.
Das Problem:
Seine Kapazität für Ehrfurcht ist schlicht leer, nichts triggert ihn mehr.
Der Film begleitet ihn bei der verzweifelten Suche nach einem letzten echten Gefühl bei seinem genervten Dealer. „Pomegranate“ ist übrigens sein Safeword, um die verrückten Trips abzubrechen. Auch hier ist es ein fast halbstündiger Sci-Fi-Kurzfilm, der eine derart dichte, melancholische Welt aufbaut, dass du einfach dranbleibst. Unglaublich gut. Was früher als CGI umgesetzt wurde, übernimmt nun komplett das Prompting.
Warum sind diese beiden Beispiele gerade jetzt so wichtig?
Weil sie eine ziemlich deutliche Markierung setzen, die in dem letzten Vierteljahr mit einer geballten Wucht einschlug. Wir sind über die Phase hinaus, in der Algorithmen nur absurde Bilder für die Timeline generieren. KI ist tatsächlich als ernsthaftes Werkzeug in der kreativen Filmproduktion angekommen. und es lassen sich damit mittlerweile absolut brauchbare, atmosphärisch dichte Kurzfilme umsetzen.Die visuelle Wucht passt aktuell natürlich extrem gut zu Sci-Fi und abseitigen Traumwelten. Aber das, was dich hier 20 oder 30 Minuten am Bildschirm hält, ist nicht der reine Code. Es ist die Story und das bedeutet vorab kognitive Leistung im Bereich Storytelling und Regie, denn man muss, um solche Ergebnisse zu erhalten, schon menschliche Eigenleistung mit einbringen. Das bedeutet und unterstreicht, dass KI als Tool funktioniert, wenn die menschliche Komponente dahinter den aboluten Kreativpart übernimmt. Alles Andere wird sonst generischer KI-Matsch. Eine KI erfindet halt nicht die feine psychologische Erschöpfung des Protagonisten in „Pomegranate“, sie schreibt auch nicht die Dynamik zwischen den Studenten in „Oneiric“. Dafür braucht es tatsächlich echte Menschen. KI ist hier das gigantische, virtuelle Filmstudio, für das Indie-Macher früher schlicht kein Budget hatten. Die Umsetzung, das Timing, der Witz, alles das bleibt Handarbeit. Und ja, ich persönlich finde das echt cool.
Und wenn wir uns ansehen, wie stimmig und packend diese Kurzfilme heute schon sind, ist der nächste Schritt logisch. Gute, komplett durchdachte Spielfilme, die mithilfe von KI umgesetzt werden, lassen sicher nicht mehr lange auf sich warten, da gehe ich jede Wette ein. Keine bloßen Demos mehr, sondern handfestes Kino aus dem heimischen Rechner.
Wer sich das genauer ansehen will, findet die Details direkt bei Higgsfield:
Oneiric Projekt
Higgsfield Global Film Festival
Blick in den Maschinenraum: Der Tech-Stack
Hier entsteht alles. Jede einzelne Einstellung, das komplette Videomaterial und die generierte Sprache stammen aus diesem Tool. Die Assets liegen dabei schlicht als benannte Elemente direkt im Projekt.
Ein „Skill“ ist im Grunde ein Regelwerk, mit dem Claude gefüttert wird. Für diesen Film kamen Eigenentwicklungen zum Einsatz: eine Scene-Drama-Engine, ein Acting-System und CINEDANCE, ein spezialisierter Video-Prompt-Writer.
Wenn mehrere Charaktere im Bild sind, reicht Text für das Staging einfach nicht mehr aus. Dieser Skill verwandelt jeden Frame in ein schematisches, farbcodiertes Diagramm. Seedance liest daraus die exakten Positionen, Posen und Blickrichtungen ab.
Seedance tut sich schwer damit, anamorphotische Optiken nur durch einen Text-Prompt stabil zu halten. Die clevere Lösung: Der Lens-Charakter wird direkt in die Location-Assets „eingebacken“. Das Modell zieht sich den Look straight aus dem Referenzbild und behält ihn.
