Wie wäre es mit einer Compilation...
... als einen Raum mit extrem seltsamen Winkeln, in dem man sich wunderbar verlieren kann? Hier kommt so eine Scheibe, ach was... drei...Der Einstieg nimmt dich erstmal überhaupt nicht bei der Hand, sondern schiebt dich einfach direkt in eine andere Temperaturzone. Emanatives „Om Supreme“ im Hector Plimmer Remix fängt komplett beatlos an, spirituell, klavierlastig, um dann eine Spannung aufzubauen, die dir fast die Luft abschnürt, kein chilliger Auftakt, es ist ein Statement.
Und genau dann, wenn du denkst, du hättest den erstem Groove der Platte verstanden, zieht Bitchin Bajas mit „Amorpha“ die nächste Karte. Fast zehn Minuten lang saugt dich dieser hypnotische Minimalismus komplett in eine andere Welt und das Ding gibt ein Tempo vor, dem sich Steve Reich wahrscheinlich sofort mit einem Grinsen angeschlossen hätte, ja, es zwingt dich einfach, langsamer zu machen. Alles. Purer Minimalismus wirkt halt.
„Sun And Moon“ ist ein rein analoges Vocal-Jazz-Stück, das dermaßen emotional und roh in den Raum knallt, als würde sie direkt neben dir am Klavier sitzen, einer dieser Momente auf der Platte, wo das Konstrukt aus elektronischen Beats und Samples komplett aufbricht und pure Menschlichkeit durchsickert. Oder Didiér Styn, der dich mit einer butterweichen, dubbigen Nachtfahrt wieder einfängt, kurz bevor es draußen hell wird.
Ich muss ja zugeben, als absoluter Verfechter physischer Tonträger schielt man bei so einem Release natürlich sofort auf die 3-LP-Version, die ich schon oben anzitierte. Fünf Tracks davon gibt's zum allerersten Mal auf schwarzem Gold, und wenn die Nadel knistert, spürt man diese rohe, physische Wucht, die keine MP3 der Welt jemals emulieren wird. Irgendwo auf Seite C oder D, ich hab da mittlerweile echt den Überblick verloren, weil die Übergänge so unverschämt fließend ineinandergreifen, stolperst du dann über Charles Petersohns „Zu Zu Music“. Ein Wuppertaler Local, der noch kürzlich beim Summer „LAB UBUNTU Festival“ in Wuppertal auflegte und ich ihn latenight nach dem Gig noch kurz begegnete (Gruß, wir waren zu spät vor Ort), der nach stolzen 18 Jahren Pause mal eben ein afrofuturistisches Monster im Geiste von Sun Ra raushaut und das fühlt sich für mich fast schon wie ein verrücktes Heimspiel an, so ziemlich trippig, aber grandios.
WOW! Kapitel 16 dieser erfolgreichen und einflussreichen Serie. Diesmal zusammengestellt von Michael Rütten (Soulpatrol/Soulsearching Radioshow) und Michael Reinboth. Nach über 30 Jahren, in denen sie ihre Liebe zur Musik geteilt haben, ist es an der Zeit, sich zu einer musikalischen Reise um die Welt zusammenfinden. Das auch in einer kommenden DJ Tour um die Welt.
Gibt es eigentlich auch Ausfälle auf der Platte? Ich meine, Compilations haben da dch immer irgendwas?
Schwer zu sagen, weil das extrem vom eigenen Nervenkostüm abhängt. Manches ist schon hart an der Grenze zur gewollten Sperrigkeit. Booker Stardrum zum Beispiel zerrt mit unruhigen Bässen und abstrakter Percussion ziemlich an der Komfortzone und ich weiß genau, meine Frau würde mir nach 3 Sekunden schon zurufen, ich möge die Anlage augenblicklich ausschalten. Aber genau diese Unebenheit tut diesem Album unfassbar gut, da es schon nahezu unvorhersehbar ist. Du befindest dich gerade noch in einer angenehmen Komfortzone und schwupps, wird es gänzlich anderes... nicht ungemütlich, aber irgendwie cineastisch abstrakt.. Eine Compilation, die immer nur brav abliefert und nirgends aneckt, ist am Ende des Tages bloß Fahrstuhlmusik mit gutem Geschmack der Kuratoren und davon gibt es da draußen wirklich mehr als genug, aber nicht hier im Atomlabor, da achte ich drauf.Wenn dann noch Michael Reinboth sein „As If By Magic“ loslässt, bin ich wieder absolut happy, da der knarzige Basslauf genau der Shice ist, den ich sehr liebe. Da hat der Labelchef einen rausgehauen.
Also, ich sag es ,mal direkt wie es ist, diese Platte gehört auf deinen Dreher.
Vol. 16 versucht also gar nicht erst, krampfhaft die nächste große Evolution des Jazz zu prophezeien, nope, es ist eher das Gegenteil der Fall, wenn du mich fragst. Das Album nimmt kollektiv den Fuß vom Gaspedal unserer völlig überdrehten Gegenwart und ob es dann auf dem Papier noch streng genommen „Future Jazz“ ist oder House, Electronica, Whatever... ey, echt keine Ahnung, am Ende auch völlig latte, solange es musikalisch so tief schürft und neue Horizonte aufreißt, wie diese Scheiben es tun.Das Teil steht ab dem 18. September 2026 beim Plattenhändler deines Vertrauens.
Digital und als 2-CD gibt es das Kulturgut natürlich auch und wir wissen ja alle, CDs sind gerade auch wieder im Kommen, oft auch nur als Sammelgut zum eingeschweißt im Regal lagern und das meine ich wirklich nicht despektierlich, sondern freue mich generell für die Sammler die u.a. auch der Gen-Z angehören. Ich für meinen Teil habe ja auch wieder meine CDs vom Speicher geholt und eine umgebaute PSX als HighEnd CD Player aktiviert. Support fürs Atomlabor... du kannst die Platte hier kaufen.Als erste Auskopplung gibt es direkt mal ordentliches auf die Zwölf, denn DJ OIL, der Mitbegründer von Troublemakers, trumpft rhythmisch reichhaltig mit seinem Song „Yaka Di Bongo“ auf. Nach einer Minute geht es langsam los und 30 Sekunden später wird gezündet, eklektisch zwischen TripHop, Groove, Afro und Jazz, treibt er ordentlich voran. Der Typ ist auch echt ein Meister darin rauen Großstadtgroove mit globalen musikalischen Strömungen zu verbinden. Peu à peu werden hier also weitere Tracks erscheinen und im Player veröffentlicht.

