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The Beatles mit A Day In The Life | Die verrückte Entstehungsgeschichte des Sgt. Pepper-Meisterwerks

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The Beatles mit A Day In The Life | Die verrückte Entstehungsgeschichte des Sgt. Pepper-Meisterwerks
A Day In The Life 

Man hält sich ja doch irgendwie für halbwegs popkulturell gebildet, schließlich beschäftige ich mich seit Jahrzehnten mit Musik. Tja, Pustekuchen. Da ist ein blinder Fleck in einem Blickfeld der Popkultur, der so groß ist wie ein Kontinent. Alter... wie peinlich.


„A Day In The Life“. Schon gehört? 

Klar, stammt aus Beatles Sgt. Pepper. Hatte man ja irgendwie abgespeichert... dachte ich jedenfalls. Aber nein, mein Gehirn hat dieses Opus Magnum über all die Jahre einfach weggefiltert, also ich kenne das Lied, ich mag es auch echt gerne... aber es war für mich Beiwerk.. das Outro... irgendwie immer wieder nicht so präsent, wie es sein sollte. Dabei ist es ein wahres Meisterwerk.  Also habe ich mich jetzt damit endlich mal genauer beschäftigt und du solltest das auch tun, denn das Ding ist tatsächlich ein wahres Monster und die ganze Entstehungsgeschichte ein kompletter Totalausfall.
 

John Lennon hockt im Januar '67 völlig derangiert am Klavier und blättert in der Daily Mail, dabei liest er über Tara Browne, Guinness-Erbe, zarte 21 Jahre jung, der knallt mit seinem Lotus Elan völlig stumpf über eine rote Ampel und verstarb. Ein paar Spalten weiter stolpert Lennon dann über einen furztrockenen Bericht über viertausend Schlaglöcher in Blackburn. Aus diesem morbiden Zeitungskauderwelsch strickte John sich dann diese schwebende, fast schon gespenstische Erzählung zusammen. 


A Day In The Life


Alles sehr konfus und dadurch stockte es auch bei ihm. Völlig absurd wird die Sache ohnehin erst durch Paul McCartney, denn der hatte da noch so einen Fetzen Musik in der Schublade rumfliegen und steuerte diese Passage bei. Das war so eine Idee, von einer völlig belanglosesen Morgenroutine, Aufstehen, hastiges Haarekämmen und den Bus, den man verpasst. Du merkst schon, es passt irgendwie alles gar nicht zusammen, aber das sollte es und so hat George Martin, der ewige Dompteur dieses Fab-Four-Wahnsinns, diese kruden Risse dann irgendwie zusammengefügt.



Bevor du jetzt weiterliest, musst du den Song aber erstmal hören, es sei denn du kennst ihn wirklich genau. 



The Beatles
A Day In The Life (Official Video)

Achte mal in der Mitte des Songs auf den Wecker, denn der ist legendär und ein unverschnittener Zufall. Mal Evans, der Roadie der Band, bekam die Aufgabe während der Session einfach nur 24 leere Takte laut mitzählen und tatsächlich, wenn man die Ohren spitzt, hört man sein Genuschel im Hintergrund immer noch in der Aufnahme. Und dann am Ende klingelte sein mitgebrachter Wecker. Ein Jux war es nicht, denn er wollte die Takte genau einhalten und der Plan war natürlich, das Klingeln später sauber rauszuschneiden. Doch dann setzt Pauls Part „Woke up, fell out of bed“ exakt danach ein und alles passte wie Arsch auf Eimer. Zufälle die man sich eigentlich nicht ausdenken kann, aber die scheinbar bei den Beatles immer wieder passierten. Soweit so gut.. aber was zur Hölle fängt man mit 24 Takten absoluter Leere an? Kann man ja so nicht lassen...


Genau. Man bucht mal eben ein 40-köpfiges Sinfonieorchester. WTF?!
Dann drückt man den armen Menschen im feinen Zwirn Sonnenbrillen, Clownsnasen und falsche Glatzen in die Hand. Daraufhin eine Ansage von Martin: „Fängt alle beim tiefsten Ton eures Instruments an und dann klettert ihr stetig hoch, bis ihr beim höchsten E-Dur-ähnlichen Ton ankommt, den ihr irgendwie rauskriegt.“

Wild. Einfach nur wild, ein echtes Happening. Mick Jagger und Keith Richards hingen währenddessen im Studio ab.. ein Zirkus. Verrückt was da aus den Boxen drückt, du hast es ja jetzt nochmal gehört, es klingt, als würde jemand eigenhändig die Erdkruste aufbrechen. Crazy shizzle.


Am 22. Februar prügelten dann Lennon, McCartney, Starr und Evans zeitgleich auf drei Pianos ein. Martin sitzt daneben am Harmonium, es ist ein einziger, markerschütternder E-Dur-Akkord. Sie ließen das Biest über 40 Sekunden einfach im Raum stehen. Toningenieur Geoff Emerick schob dann am Mischpult die Regler immer weiter nach oben, bis ans absolute Anschlaglimit. Ganz am Schluss hörst du nur noch knarzende Studio-Stühle und raschelndes Papier. Es ist im Grunde die musikalische Vertonung von Endlichkeit und das macht das genie in diesem Wahnsinn aus.





Lennon wäre aber natürlich nicht Lennon, wenn er es dabei belassen hätte, der Kerl presst ans Ende der Platte noch fröhlich einen 15-Kilohertz-Ton exklusiv für Hunde und Katzen und obendrauf dann noch einen völlig bekloppten Kauderwelsch-Loop in die Auslaufrille. Wer jetzt, wie ich, einen manuellen Plattenspieler hat, der bekommt diesen Unsinn bis in alle Ewigkeit präsentiert, weil der Tonarm dort hängenbleibt. Dieses kleine Konstrukt aus Wahnsinn und Zufall hat wirklich alles umgekrempelt. Denn ohne dieses brachiale Crescendo hättet ihr heute im Kino höchstwahrscheinlich keinen THX-Sound, der euch genüsslich die Plomben aus den Zähnen vibriert, jeder kennt es.



Und dieser finale Piano-Schlag?
Nun, er hat irgendwann mal den Start-Sound der Macintosh-Rechner inspiriert.
Schon verrückt.




Über 34 Stunden haben die Jungs sich damals dafür im Studio eingeschlossen.
Zum Vergleich: Ihr Debütalbum war in nicht mal elf Stunden komplett durch.

Solltet ihr die Nummer bis heute echt nur als Fahrstuhlmusik oder Hintergrundrauschen abgestempelt haben: Tut euch den Gefallen. Hinsetzen. Gute Kopfhörer auf die Ohren. Und dann lasst euch von dieser musikalischen Urgewalt mal ordentlich abholen.


Das ist Kunst, die so eigentlich niemals hätte existieren dürfen und doch existiert. So, jetzt habe ich es endlich für mich abgehakt und mich rehabilitiert und damit geht es jetzt weiter nach England.

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Netzaktiv seit 1997. Blogger seit 2007.


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