Auf Vinyl: Earth-o-Naut „This Is Nowhere. This Is Everywhere.“
Ende Mai hatte ich euch hier im Blog ja schon mit der Vorab-Single „Everything. All At Once. All Of The Time.“ auf das Debüt von Earth-o-Naut aufmerksam gemacht und damals lief der Track bei mir auf Dauerrotation, um den ständigen Lärm des Alltags einfach mal auszublenden. Aber sind wir ehrlich, digital ist praktisch, um schnell reinzuhören oder unterwegs abzuschalten, aber es ist eben nicht das echte, vollkommene Erlebnis, wenn du verstehst, was ich meine. Jetzt ist das Album „This Is Nowhere. This Is Everywhere.“ über Agogo Records draußen, und noch viel wichtiger: Das schwarze Gold liegt hier endlich bei mir auf dem Dreher.
Es ist einfach ein komplett anderer Schnack, ob man auf dem Screen beiläufig auf „Play“ tippt oder ob man sich bewusst die Zeit nimmt, eine echte Schallplatte in die Hand zu nehmen. Aber wenn du den Beitrag hier liest, dann weißt du das sicherlich. Der Geruch der frisch bedruckten Hülle, das vorsichtige Herausziehen aus dem Sleeve, das sanfte Aufsetzen der Nadel. Und wenn dann das leise, warme Vorknistern aus den Boxen kommt, bevor der erste Groove einsetzt, schaltet der Kopf sofort einen Gang runter. Ja, genau für dieses analoge Ritual ist dieses Album absolut wie gemacht.
Auf dem heimischen Setup bekommt die ohnehin schon angenehm unaufgeregte und organische Produktion des Liverpoolers noch einmal eine ganz andere Tiefe. Wenn Steve White an den Drums den Takt vorgibt, spürt man die Dynamik und den Raum zwischen den Instrumenten physisch. Die ganze smarte Mischung aus Brit-Funk, Acid Jazz und Soul-Jazz atmet auf Vinyl einfach viel freier. Keine Algorithmen, die dir nach dem Song sofort den nächsten „passenden“ Track in die Ohren spülen, sondern ein geschlossenes Werk, das man ganz bewusst von Seite A bis Seite B durchhört, so wie es angedacht wurde. Die Platte hat diese wunderbare musikalische Patina, die sich auf einem physischen Tonträger erst richtig entfaltet.
Die stoische Haltung, die ich schon an der Vorab-Single so gefeiert habe, zieht sich wunderbar durch die gesamte Pressung. Kein glattgebügelter Pop für die schnelllebige Playlist, sondern tatsächlich ein Album, um sich an einem entspannten Abend darin zu verlieren. Für mich reiht sich die Scheibe nahtlos und völlig zurecht in meine Sammlung neben die geliebten Jazz-Funk- und Soul-Klassiker ein.
Wer meinen ersten Deep Dive zur Single verpasst hat, kann hier noch mal meine Gedanken dazu nachlesen. Allen anderen lege ich wärmstens ans Herz: Gönnt euch die physische Version, supportet gute Musik abseits des Mainstreams, legt das schwarze Gold auf den Plattenteller und holt euch dieses Stück stilvolle Entschleunigung nach Hause. Musik, die euch gehört.
Dreht auf und genießt den Sound!
earth-o-naut-agogo.bandcamp.com
