Akari Raheem senden auf eigenen Frequenzen.
Im Radio rauscht es im Hintergrund und plötzlich taucht ein Beat auf, der nicht um Erlaubnis fragen muss.
Genau mit diesem Intro holt einen das experimentelle Projekt von Lito Akari und F. Raheem ab. Wer gerade genug von Beats hat, die klingen, als wären sie für den Algorithmus weichgespült worden, darf hier einmal die Antenne neu ausrichten, denn unter dem Namen Akari Raheem schicken die beiden Produzenten aus Stuttgart ihr neues Doppelalbum „Radio“ über den Äther.
Das Konzept ist angenehm klar, ohne sich dabei selbst zu wichtig zu nehmen, zwei Frequenzen, zwei Stimmungen, ein gemeinsamer Kern. Auf „Radio 99.8“ dominieren warme, jazzige HipHop-Beats, die eher glimmen als blenden und latent die Ohren verwöhnen. „Radio 99.9“ dreht dann den Regler weiter auf und kippt die Sache in elektronischere, experimentellere Klangwelten.
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| akari raheem | photo © rob hak | presse |
Lito Akari, dessen musikalische Wurzeln zwischen Berlin und Istanbul liegen, based in Stuttgart, bringt einen Vibe aus Neo-Soul, Jazz und G-Funk an die Regler. F. Raheem ergänzt das Ganze aus Basel heraus mit einem Background in zeitgenössischer Instrumentalmusik und ja, ich weiß, das klingt so aufgeschrieben schon interessant, aber wichtiger ist, was daraus wird: Musik, die nicht nur nach Loop und Drumkit klingt, sondern nach echten Entscheidungen und dadurch sehr organisch und rund wird.
Handgemacht statt Sample-Tapete
Das eigentliche Gewicht dieses Tapes liegt mal wieder in der Arbeitsweise. Akari Raheem verzichten bei den Produktionen vollständig auf Samples, was in diesem Genre wirklich ungewöhnlich ist. Jeder Akkord, jede Textur, jede kleine Verschiebung im Raum ist tatsächlich selbst eingespielt und dadurch bekommt „Radio“ eine absolut organische Note. Wer den satten Sound von The Alchemist, El Michels Affair, Portishead, Nosaj Thing oder BadBadNotGood schätzt, dürfte hier ziemlich sicher schnell andocken. Nicht, weil Akari Raheem diese Namen kopieren würden, sondern eher, weil sie ein ähnliches Gespür für Atmosphäre haben, wie diese Heroen. Das Album wirkt nicht steril, sondern handwerklich dicht. Es hat Ecken und Kanten, Wärme und diese kleinen Unschärfen, die Beats oft erst lebendig machen.
Auch das musikalische Netzwerk der beiden kann sich hören lassen. Namen wie Dexter und Smoke Trees auf der Feature-Liste bringen den passenden Headnod-Faktor mit, der noch mehr aufhorchen lassen sollte. Dazu steuern Gäste wie Jasmin Albash, Arbee, Meticulous Prime und D. Rymz ihren Teil zu dieser dichten Mischung aus HipHop, Ambient und Soul bei. Den finalen Feinschliff im Mix hat Smoke Trees übernommen. Das Mastering kommt von Heitech und auch das passt zur Platte. Ja, „Radio“ wirkt nicht überproduziert, aber sauber gesetzt. Ein Sender, den man nachts findet und dann nicht mehr wegdreht, laufen lässt und sich darin verliert.
Vinyl nur in kleiner Runde.
Wer physische Tonträger sammelt, sollte hier nicht zu lange grübeln, denn die Vinyl-Ausgabe erschien schon am 27. März 2026 über Akari Audio, HHV, und ist auf exakt 100 Stück limitiert. Das ist jetzt keine künstlich aufgeblasene Knappheit, sondern passt ziemlich gut zu diesem Release. Klein, eigenständig, geschlossen.
„Radio“ sitzt an der Schnittstelle von modernem Jazz, instrumentalem HipHop, Ambient und elektronischen Ausläufern. Ein Doppelalbum, das beweist, dass dichte Atmosphäre nicht aus dicken Sample-Katalogen kommen muss. Manchmal reichen eben zwei Produzenten, ein klarer Frequenzbereich und genug Gespür dafür, wann ein Beat atmen darf, und genau das finden wir hier. Abgesehen davon ist die Coverart auch absolut passend gewählt. Ich feiere das Album wirklich sehr.



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