Die nächste Reggae-Legende hat den Planeten verlassen.
Sly Dunbar ist gestern am 26.01.2026 gestorben. 73 Jahre alt geworden.Und mit ihm fehlt eindeutig ein Puls, der den modernen Reggae über Jahrzehnte getragen hat. Sly war sicher nie der Typ für großes Vordergrundtheater. Er saß am Schlagzeug und machte genau das, was die Größten auszeichnet. Er hörte zu. Er ließ Raum. Und genau dort entstand dieser unverwechselbare Groove, der nicht drängte, sondern trug. Zusammen mit Robbie Shakespeare formte er als Sly and Robbie einen Sound, der Jamaika musikalisch neu definierte und weit über die Insel hinauswirkte, nicht als Trend, sondern als Fundament.
Mehr als 200.000 Aufnahmen sollen es gewesen sein. Eigene Tracks, Produktionen, Remixes, Samples. Zahlen, die eigentlich absurd klingen und trotzdem nur einen Teil der Wahrheit erzählen. Denn Sly Dunbar war nicht einfach produktiv, er war prägend. Sein Spiel schob den Reggae aus der Roots Ecke in neue Räume. Richtung Dub, Dancehall, Pop, HipHop und das ohne die Seele zu verlieren. Die Liste der Namen liest sich wie ein Geschichtsbuch der Popkultur. Bob Marley. Grace Jones. Bob Dylan. Rolling Stones. Später dann No Doubt und die Fugees. Unterschiedlichste Welten, verbunden durch einen Drummer, der verstand, wann man führen muss und wann Zurückhaltung mehr Kraft hat. Ja, man kann schreiben, er war ein Ausnahmekünstler, was dreizehn Grammy Nominierungen unterstreichen.
Auch das erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Wirklich greifbar wurde sein Einfluss für viele erst wieder 2014 mit Cheerleader. Ein Song, den er für Omi mitschrieb. Der Felix Jaehn Remix machte daraus dann einen globalen Hit. Über eine Million Verkäufe in Deutschland. 57 Wochen in den Charts. Plötzlich lief ein Stück Reggae DNA in Clubs, Radios und Playlists rund um den Globus. Und wieder war Sly mittendrin, auch wenn es viele nicht wissen. Unaufgeregt. Zeitlos.Was bleibt, ist ein Gefühl für Rhythmus, das Generationen beeinflusst hat. Ein Verständnis dafür, dass Groove nicht laut sein muss, um mächtig zu wirken. Dass Präzision und Wärme sich nicht ausschließen. Und dass Musik dann am stärksten ist, wenn sie atmet.
Sly Dunbar hat der Welt keinen Lärm hinterlassen, sondern einen Herzschlag.
Und der wird weiterlaufen. In unzähligen Songs. In Samples. In Beats, die wir kennen, ohne ihren Ursprung immer benennen zu können.
Ruhe in Frieden, Sly.
