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So war der Sommerempfang der Bergischen IHK 2026 | Zwischen Festrede und Fremdscham

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So war der Sommerempfang der Bergischen IHK 2026 | Zwischen Festrede und Fremdscham
Warum auch am Mikrofon nur mit Wasser gekocht wird.


Gestern war ich beim Sommerempfang 2026 der Bergischen IHK zu Gast. Peer Steinbrück als Festredner mit „Dimension der Zeitenwende – eine Reformagenda für Deutschland“, der ehemalige Ministerpräsident von NRW und Bundesfinanzminister a. D. ist sichtbar kaum gealtert, geistig messerscharfer Analyst. Ich mag seine Art sehr. Kleine Anekdote am Rand: Vor gut 30 Jahren, ich hatte gerade eins der ersten Fotohandys mit einem 256-Farbdisplay, habe ich ein Selfie mit ihm und mir im Ständehaus Düsseldorf gemacht, da war er noch Ministerpräsident (ich erspare euch das Foto ehrlich). Das war ganz witzig, denn er war wirklich sehr irritiert, dass keine Kamera, sondern ein Klapphandy uns aufnahm,d as Erste auf dem deutschen Markt. "Hey, wo ist denn hier die Kamera?!", na, hier im Handy.

Optisch hat er sich seitdem kaum verändert, ich schon, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich noch Haare auf dem Kopf. Steinbrücks Humor ist heute trockener denn je und er ist mit fast 80 Jahren ein begnadeter freier Redner. Mehr als beeindruckend, zumal er von seinem aktuellen Schaffen und seiner Perspektive auf die aktuelle Lage des Landes sehr scharf analysiert und auch Strategiepapiere an die aktuelle Bundesregierung als Leitfaden einreichte. Er schaffte einen Ausblick auf Hoffnung, in einer Situation, Lage, die viele vielleicht gerade als hoffnungslos ansehen. Listete aber auch vorab die Versäumnisse präzise auf. Dieses Land hat viel zu tun und jeder ist in die Pflicht genommen, sich einzubringen.  


Der Mangel an Fahrplänen und an sichtbaren Strategien wurde natürlich erwähnt, aber auch, dass im Hintergrund vieles passiert, was von der breiten Öffentlichkeit nicht oder nur latent wahrgenommen wird. Jetzt sitzt er natürlich immer noch näher an den Quellen und erfährt vieles, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass jeder selbst aktiv werden kann und sollte. Dass man Gemeinschaft erkennt, sich unterstützt und proaktiv voranschreitet. So habe ich seine Worte aufgefasst. 


Und bevor noch die Panel-Diskussion startete, hat Henner Pasch, der IHK-Präsident, sich "im Maßanzug" positioniert, und das war aus meiner persönlichen Sicht wirklich auf vielen Ebenen cringe. Vorstellung des Regionalradars. Die Technik streikte, das iPad wollte nicht via AirPlay streamen, aber die Techniker im Hintergrund fingen das Problem live gekonnt auf. Die Präsentation fand ich persönlich inhaltlich wie optisch sehr ermüdend, auch wenn die Idee dahinter sicher gut ist, ein Druckmittel für die Politik aufzubauen. Aber was mir wirklich fehlt, ist eine Analyse und Einschätzung, denn ein reiner Vergleichsspiegel bringt die bergische Wirtschaft nicht nach vorne. Strategien durch Analyse der Zahlen schon. Zahlen sind natürlich immer gut, eine direkte Einschätzung, ein Vergleich sind sinnvoll, aber eine Strategie, wie auch Peer Steinbrück es anleitete, lässt sich daraus nur individuell ableiten.


Ich habe mich eher gefragt, warum IW Consult aus Köln diese KI-Auswertung machte und keine Firma aus unserem Städtedreieck. Gibt es in Wuppertal, Solingen und Remscheid keine Beratungsinstitute? Nun, generell wurde aus meiner Sicht hier eher der Finger in die Wunde gelegt, statt ein Pflaster und Pasch verpackte dies nicht wirklich integer.


Das RegionalRadar machte die Defizite zwar für uns alle visuell greifbar und erschwert es der Verwaltung der Städte, sich hinter Anekdoten oder fehlenden Daten zu verstecken. Eine echte, proaktive Standortstrategie, die den Unternehmen einen klaren Weg aufzeigt, wie die Hürden in den nächsten Jahren abgebaut werden, sucht man darin leider vergeblich. Ja, es klang wie reine PR. Die eigentliche Hausaufgabe der strategischen Ableitung wird hier lediglich elegant verpackt an die Politik weitergereicht, was ich wiederum sehr ernüchternd empfand.


Neues aus der rhetorischen Kreisklasse.


Generell war Paschs Wirken auf der Bühne eher holprig ("Dann gebe ich schon mal den "Mädels" die Blumen"), gespickt mit unglücklichem Wording oder auf der Bühne unangebrachten Kraftausdrücken, um vielleicht nahbar zu wirken. Auch mit der aufgesetzten Suche nach Schulterschluss zu Peer Steinbrück, der das Gastgeschenk zum Abschluss (ein Solinger Messer) natürlich abkaufen muss, um die Freundschaft zu wahren.

¢
Aberglaube rund ums Messer
Ein Messer schenkt man nicht einfach so

Der bekannteste Aberglaube besagt, dass ein Messer das Band der Freundschaft zerschneiden könne, wenn es verschenkt wird. Um dieses vermeintliche Unglück abzuwenden, gibt der Beschenkte dem Schenkenden traditionell ein Geldstück zurück. Selbst ein Cent reicht aus, um das Messer symbolisch zu kaufen und die Freundschaft zu bewahren.

1¢ Kleiner Trick, große Symbolik.


Das Münzgeld, welches Steinbrück von Dr. Andreas Groß bekam, der es wiederum schade fand, kein Streitgespräch mit Peer Steinbrück führen zu können, da er d’accord mit seiner Ausführung war (cringe), steckte Steinbrück in seine eigene Jackettasche und nahm das Messer entgegen.

Auf vielen Ebenen war dieser Moment so meta und hat die lange, luftleere Rede Paschs wieder wettgemacht, die selbst die Moderatorin des Abends, Sissi Hajtmanek, kaum auffangen konnte. 


Nun, was nehme ich für mich mit von diesem Abend? 

Beeindruckt von der Rede Steinbrücks, ernüchtert durch das Vorpreschen des IHK-Präsidenten, der kaum Raum für die einzige Dame am Tisch, IHK-Vizepräsidentin Katrin Becker, übrigließ und versuchte, den Selbstdarsteller zu mimen, freute ich mich auf das Feierabendbier und kurzes Netzwerken. Ich hoffe darauf, dass die Wuppertaler IHK zumindest in meiner nahen Zukunft hilfreicher für mich sein wird als an diesem Abend.


Lichtblick war auf jeden Fall mal wieder der Aufenthalt in unserer wunderschönen Stadthalle. Auch der musikalische Act, Leonora mit Band
, welcher im zweiten Teil endlich gut abgemischt wurde, war absolut okay. Mein größter Spaß war aber auf jeden Fall, dass ich durch Jacket und ohne Cap nahezu inkognito unterwegs war. Menschen erkennen mich nur in Baggy, Sneaker und Cap. Selbst mein Nachbar hat mich nicht erkannt. Bei der diesjährigen Teilnehmerzahl von mehr als 1000 Personen habe ich erst danach über Social Media einige bekannte Gesichter gesehen, die ich gerne mal wieder getroffen hätte – tja, beim nächsten Mal. 
Atomlabor

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Atomlabor ist der Blog von Jens Mahnke

Netzaktiv seit 1997. Blogger seit 2007.


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