Ein leiser Neuanfang.
Du merkst es sofort, da steht keine nostalgische Crew, die einfach ihre größten Hits runterspult, da stehen zwei Männer, die weitermachen müssen. "Müssen" aus verschieden Gründen.
De La Soul beim NPR Tiny Desk, ist eigentlich eine sichere Bank und dann sagt DJ Maseo trocken:
„Meine Damen und Herren, wir sind eine neue Gruppe namens De La Soul.“
Alle lachen, klar, ist halt ein Gag. Aber wenn man kurz innehält, merkt man, wie viel Wahrheit da drinsteckt. Denn ja, sie sind neu. Nicht freiwillig. Sondern, weil sie mussten.
Seit dem Tod von David Jolicoeur, besser bekannt als Trugoy the Dove, fehlt Plug Two. Und wer De La Soul kennt, weiß, dass das keine austauschbare Position ist. Pos und Maseo tragen diese Leerstelle jetzt mit Würde. Genau das macht dieses Tiny Desk Konzert so besonders. Es ist verletzlich und gleichzeitig unfassbar stark.
Der Anlass passt, denn sie feiern ihr aktuelles Album Cabin in the Sky und gleichzeitig drei Jahre volle Kontrolle über ihren legendären Backkatalog. Jahrzehntelanger Rechtsstreit, keine Streaming Verfügbarkeit, komplizierte Verträge ist endlich vorbei. Veröffentlicht wurde die Session am 3. März, dem offiziellen De La Soul Day, also gestern und musikalisch ist das hier natürlich keine Pflichtübung, es ist vielmehr eine Liebeserklärung. An Dave, an die eigene Geschichte an uns Fans und an die Zukunft.
Klassiker wie „Stakes Is High“ und „Breakadawn“ bekommen durch die Live Band eine neue Tiefe. Unter der Leitung von Daru Jones an den Drums klingt alles wundervoll organischer und wärmer. Die neuen Songs stehen selbstverständlich neben den alten. Kein Bruch, eher ein ruhiges Statement: Wir sind noch hier.
Das ist wirklich schön zu hören und fühlt sich gut an.
Setlist | Tiny Desk Konzert
- YUHDONTSTOP
- Will Be
- Much More
- Stakes Is High
- Sunny Storms
- Different World
- Breakadawn
- Pony Ride
- A Quick 16 for Mama
- Me Myself and I
Und dann poppt da noch dieser Gedanke auf: Das Debütalbum 3 Feet High and Rising ist 36 Jahre alt. 1989 war Sampling noch ein kreativer Spielplatz. Was De La Soul daraus gemacht haben, war innovativ, funky, jazzy und konzeptionell klar. Kein Selbstzweck, sondern durchdachte Idee. Und das hat viel losgetreten und neue Künstler beflügelt diese Wege zu betreten.
Vielleicht fühlt sich dieses Tiny Desk genau deshalb so rund an. Weil hier niemand versucht, die Vergangenheit zu konservieren. Sondern weil zwei Künstler zeigen, wie man weitermacht, ohne jemanden zu vergessen. Ich bekomme ein wenig Gänsehaut und finde es wirklich schön mit was für Fingerspitzengefühl hier gearbeitet wurde.
Wenn du HipHop liebst oder verstehen willst, warum De La Soul immer noch relevant sind, nimm dir bitte diese halbe Stunde Zeit. Es ist wirklich kein lautes Spektakel, es ist ein stiller, würdevoller Moment und zeigt dir was HipHop kann und warum De La Soul so besonders sind.
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