Mit der KI durch London von vor 300 Jahren.
London vor rund 300 Jahren war diese seltene Mischung aus Glamour und Dreck, die nur Metropolen im Turbo Wachstum hinbekommen. Oben Seide, Puderperücken und ordentliche Plätze, unten Matsch, Qualm und eine Stadt, die ihre Abwässer im Zweifel einfach weiterreicht. Genau in diese Welt zoomt ein neues KI-Video rein und macht aus Gemälden und Kupferstichen eine Art bewegliches Street View für 1750. Wenn du auf solche Zeitreisen stehst, kennst du das Gefühl schon von meiner New York Zeitreise 1911 und dem Blick darauf, wie sich Stadtgefühl verändert, sobald Archivmaterial plötzlich modern wirkt, oder auch von meinem Beitrag über die Zukunft der Stadt New York, weil genau dort diese Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Erzählung so spannend wird. Es ist halt immer gut, die Vergangenheit im Blick zu haben, wenn man die Zukunft formen möchte - man könnte so viele Fehler vermeiden.
1700er London | zwischen Weltreich, Baustelle und Themse-Stau
Das Video von Majestic Studios nimmt uns mit in ein London, das gerade vom mittelalterlichen Flickenteppich zur Hauptstadt eines entstehenden Weltreichs mutiert. St. Paul’s Cathedral thront nach dem großen Brand als frisches Statement über der Stadt, die London Bridge ist noch voll bebaut, und auf der Themse drängen sich Handelsschiffe und Boote wie Blechlawinen im Berufsverkehr.
Wichtig ist dabei der kleine Reality Check:
Zeitgenossen wie Samuel Pepys beschrieben den Alltag als ziemlich dreckig, der berühmte London Mud war eher ein toxischer Cocktail als romantische Regenpfütze. Erst die großen Kanalbauprojekte des 19. Jahrhunderts haben das langsam entschärft, und genau deshalb sind diese Bilder immer auch geschönt, nicht komplette Wahrheit. So wie es in meiner Stadt, Wuppertal auch massiv dreckige Straßen gab, als Pferdekuschen die Transporte der Frühindustrialisierung erledigten. Meterhoch stand man in Pferdeäpfeln.
Journey through 18th-century London, a pivotal era in british history that saw the city of london grow into a bustling metropolis of both chaos and elegance. This historical exploration illustrates the significant urban planning efforts that reshaped its landscape. Discover how modern ai video technology, using 18th-century paintings, recreates this fascinating period of london history with remarkable accuracy.
KI Rekonstruktion | aus Ölfarbe wird Raumgefühl
Der Clou ist hier wieder die Technik. Die Szenen basieren auf echten Gemälden und Kupferstichen, die per KI in animierte Kamerafahrten verwandelt werden. Aus zweidimensionalen Vorlagen entstehen Tiefe, Bewegung und Licht, wodurch sich die Stadt plötzlich wie ein realer Ort anfühlt. Und ja, das ist im Kern der gleiche Zauber wie bei meinen NYC Posts, nur dass hier keine Filmrollen hochskaliert werden, sondern Malerei. Das Ergebnis ist keine Doku im eigentlichen Sinne, sondern eine visuelle Zeitkapsel, die deine Neugier anstupst. Ich für meinen Teil genieße solche Umsetzungen sehr.
Warum das trotz Glättung funktioniert
Die KI Fahrten zeigen vor allem das London der Plätze, auf die Maler ihre Staffeleien gerichtet haben. Leicester Square, St. James’s Square, repräsentative Fassaden und ein Blick, der die Elite sichtbar macht. Slums und Hinterhöfe fehlen naturgemäß, weil sie eben selten gemalt wurden. Die KI verstärkt den Fokus der Quellen, sie kann nur beleben, was überhaupt existiert. Trotzdem sind solche Projekte extrem wertvoll, weil sie Geschichte für uns zugänglich macht, wenn wir uns nicht freiwillig durch Stadtpläne von 1750 oder Tagebücher wühlen. Und natürlich hätte ich es auch gut empfunden, wenn man die Kehrseite der Medaille auch gezeigt hätte. Es funktioniert halt trotzdem, weil man zumindest einen subjektiven glanzvolleren Eindruck der Stadt bekommt.
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Open Culture | Take a Tour of 18th Century London Recreated with AI
