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Putting Wuppertal back on the map.


Beim Konzert von ANNA.LUCA im Live Club Barmen vor ein paar Wochen wurde ich ernsthaft sauer. War es zu voll? Waren die Getränkepreise jenseits von Gut und Böse? War die Band einfach mies? Nichts von alledem war der Fall. Ich habe mich darüber geärgert, dass die Bürger unserer schönen Stadt scheinbar nicht wissen, was für Geschenke auf sie warten – und das direkt vor der eigenen Haustür.

Um es vorweg zu sagen: das Konzert war keineswegs schlecht besucht. Mehr geht aber immer. Darum soll es aber nur am Rande gehen. Vielmehr geht es mir um die Frage, warum Wuppertal als Standort und besonders die hiesige Musikszene nirgendwo eine wirkliche Rolle spielt? Und da trifft es besonders hart, wenn nicht mal in Wuppertal selbst etwas von einem unterstützenden Bewusstsein zu spüren ist. Wuppertal hat immerhin eine lange Geschichte. Die Fehlfarben hatten ihren Proberaum in Elberfeld. Die Wuppertaler Punkszene war im ganzen Land bekannt. Allen voran „Die Alliierten“ um Caspar Brötzmann. Überhaupt: Caspar Brötzmann (Sohn des Jazz-Saxophonisten Peter Brötzmann), der die Brücke zum Jazz schlug in dessen Szene zum Beispiel Bassist Jan Kazda für Furore sorgte. Dieter Gorny hat die Popkomm im Wuppertaler Rockbüro erdacht.
Kind Tot waren die erste deutsche Band auf dem berühmten Road Runner Label.
Um es mit den Striekspöen zu sagen: Siehste, dat is Wuppertal.

Immer schon brachte die Wuppertaler Musikszene Acts hervor, die den internationalen Vergleich nicht scheuen mussten. Uncle Ho, die schon die Bühne mit den Smashing Pumpkins teilten und eins ihrer Videos in New York drehten (der dazugehörige Song „Bubblehead“ war sogar in den US-Collegecharts). DNL als eine der ersten Crossover-Bands, die deutsche Texte schrieben. Heyday, die ihre unfassbar tollen Platten beim Label des damaligen Raemon-Sängers Ray Garvey veröffentlichten. The list goes on and on.

Im Jetzt angekommen, möchte sich der geneigte Leser ein mal vor Augen führen, was momentan in dieser Stadt passiert. Das Royal Street Orchestra – ein Kollektiv aus 9 Ausnahmemusikern, die einen wilden Mix aus Balkanbeats, Klezmer und Folk veranstalten – wird zu TV-Shows nach Russland eingeladen.
Jan Röttger nimmt als Vertreter für NRW am New Music Award teil und überzeugt Henning Wehland von den H-Blockx so sehr, dass dieser ihm fortan beratend zur Seite steht. Dieser Tage erscheint endlich sein Debütalbum „Present. Future. Anarchy.“ – finanziert durch eine Crowdfunding-Aktion, die innerhalb kürzester Zeit ihre Zielsumme erreicht hat. Jonas David schreibt einen großartigen Song nach dem anderen und wird mit einer Nebenrolle und zwei Songs auf dem Soundtrack zu Matthias Schweighöfers Film „Vaterfreuden“ belohnt. Henrik Freischlader gilt als größtes Blues-Gitarren-talent seit Gary Moore und tourt durch ganz Europa.
Prezident beweist, dass aus Wuppertal einen Platz im Hip Hop Underground hat.
Selbst ein Martin Stürtzer, der mit seinem Dark-Ambient Projekt „Phelios“ weitab vom Mainstream agiert, ist ein gefeierter Szeneheld und gern gesehener Gast auf internationalen Festivals. Die Jazz-Szene lebt mehr denn je mit Musikern wie Roman Babic, Mickey Neher, Marvin Becker, Maik Olhoff...

Und dann gibt es eben Anna.Luca, die auch mit dem NuJazz-Projekt Club des Belugas internationale Erfolge feiert. Ihr zweites Solo-Album ist kurz vor der Fertigstellung und wurde an jenem Abend im LCB präsentiert. Wenn man die verträumten aber unfassbar tanzbaren Songs hört und daran denkt, dass all das (siehe oben) aus ein und derselben Stadt kommt, wird man entweder sehr stolz oder sauer. Oder auch beides. Mir fiel – zumindest außer den üblichen Verdächtigen wie Berlin und Hamburg ­– keine Stadt in Deutschland ein, die ein solches Potenzial birgt. Je länger man darüber nachdenkt, desto unwirklicher wird es. Woran liegt es, dass man von all dem in der Stadt nichts spürt? Wo ist der Stolz der Wuppertaler auf diese, ich sagte es bereits, Geschenke? Wir sind immer noch eine Universitätsstadt,  Publikum sollte also vorhanden sein. Mir ist klar, dass auch ich viel mehr auf Konzerte gehen sollte, aber ich muss es jedem ans Herz legen: besucht Konzerte Wuppertaler Bands. Kauft die Platten. Hört euch die tolle Musik an. Aber besonders: Erzählt anderen Leuten davon. All diese Musiker dieser Stadt haben es sowas von verdient stattzufinden. Nicht nur auf Bühnen und in CD-Playern und Plattenspielern – auch in euren Herzen.


Let’s put Wuppertal back on the map.

(Ein Blogbeitrag von Michael Walmsley )
Putting Wuppertal back on the map.

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