Zehn Instrumentals, knapp über eine halbe Stunde, kein überflüssiger Speck.
Das Ding für diesen Montag fühlt sich nicht wie ein aufgeblasenes Beattape an, sondern wie ein bewusst gesetzter Marker und es ist einer. Zwei Produzenten schauen zurück auf 20 Jahre gemeinsame Arbeit und machen daraus keine sentimentale Fotowand, sondern Musik, die zwischen Erinnerung, Stadtlicht und staubigen Samples ihren eigenen Puls findet. Jetzt habe ich hier im Blog ja immer wieder über die Jahre auch Bean Leboucs Musik gefeatured und dann ist so ein Recap wirklich angebracht.„20 Years Later…“ ist hier ein digitales Album von Eirenicon und Bean Lebouc, veröffentlicht im Umfeld von Ooh La La Music, DeckHead Records und UnXpected Productions. Schon diese kleine Struktur erzählt etwas über dieses Tape, denn da kommen viel Musikwissen und unterschiedliche Strömungen zusammen. Der Kern bleibt instrumentaler HipHop. Samplebasiert, warm, stellenweise rau, mit genug Luft zwischen den Beats, aber das Album bleibt nicht brav im klassischen Rahmen sitzen, denn hier schimmern Alternative, Rock und Nu-Jazz durch, ohne dass daraus ein Genre-Schaufenster wird. Vielleicht wie ein Griff in die Plattenkiste, die die beiden über die Jahre begleitet hat. Genau das mag ich an solchen Releases, wenn sie nicht komplett glatt sind, Ecken und Kanten haben und eine Story erzählen. Beats überlagern sich, Verschiebungen, schräge Klänge, es wirkt wie ein Teilausschnitt eines Lebens im Zeitraffer. Gerne mal sperrig, nicht gefällig und dann mit harmonischen Zwischentönen.
Bei einem Titel wie „20 Years Later…“ liegt die Gefahr natürlich direkt auf dem Tisch, dass ein Rückblick schnell nach Klassentreffen klingen kann.
Ein bisschen verklärte Vergangenheit, ein bisschen „früher war mehr Sample“, fertig ist die Nostalgie-Tapete. Aber ich kann beruhigen: Ist hier nicht passiert und daher auch hier in meinem Blog gelandet. Natürlich scheinen die Tracks Wegmarken zu sein, um Gefühle und Zustände der beiden festzuhalten, aber so frei, dass man sich nicht in einem Mikrokosmos der Dudes gefangen fühlt. „City Life Pt. 2“ trägt schon im Titel diesen urbanen Blick. „The Underpass“ klingt nach Beton, Schatten, Bewegung. „Lost Feelings“ macht nicht viel Theater um Emotionen, deutet aber genug an. Und mit „40 Years Later…“ am Ende setzen Eirenicon und Bean Lebouc einen schönen gedanklichen Haken und zeigen uns, dass das Duo noch lange nicht Schluss machen möchte. Das finde ich ziemlich sympathisch. Nach 20 Jahren hätten Eirenicon und Bean Lebouc sich auch selbst feiern können, das Archiv öffnen, ein bisschen droppen und gut wäre es gewesen, aber nope, sie zeigen Zwischenschritte und machen weiter.Ich glaube, „20 Years Later…“ funktioniert genau deshalb, weil es nicht versucht, größer zu sein als es ist. Zehn Instrumentals, zwei Produzenten, 20 Jahre gemeinsame Geschichte und basta. Jetzt dürfen wir uns darauf freuen, wie die nächsten 20 Jahre klingen werden. In der Zwischenzeit fangen wir mit diesem Tape an.