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Atomlabor telefoniert mit Buddy Buxbaum | Einige nennen es Interview, wir nennen es quatschen | Unkaputtbar

Mittwoch, August 12, 2015

Atomlabor telefoniert mit Buddy Buxbaum | Einige nennen es Interview, wir nennen es quatschen | Unkaputtbar

Wir haben uns mit Buddy Buxbaum über sein neues Album Unkaputtbar unterhalten, nenn es Interview - wir nennen es ein bisschen quatschen.

Buddy Buxbaum sitzt also gemütlich beim Kaffee und ich vorm Rechner, die Telefone auf Lautsprecher gestellt und locker geplauscht. Ein lässig entspannter Typ sitzt mir da an der andern Seite der Leitung gegenüber und hat die Ausdauer mir zwischen dem Kaffee und dem Termin bei Musikexpress noch 30 Minuten meinen Wissensdurst zu seiner Musik zu stillen.

Buddy ist Gründer & Ex-Frontmann von Deichkind und, damals wie heute, Produzent im klassischen Sinne: er holt das Beste aus sich & seinem Umfeld. Mit"Unkaputtbar" erscheint am 14. August nun endlich sein neues Album über sein erst kürzlich gegründetes, eigenes Label Holo Rec. 

Die erste Frage meinerseits musste ja einfach kommen, auch wenn sie schon so abgedroschen zu sein scheint hat Bartosch, also Buddy sie mir trotzdem beantwortet. Natürlich interessierten mich die Gründe, warum er 2008 von Deichkind ausgestiegen ist, war er doch musikalisch einer meiner Favs der Jungs. Die Antwort kam dann auch direkt wie vermutet „Weil ich nicht richtig zufrieden war mit der ganzen Elektroschiene, das es so werden sollte, weil wir so „Beastie Boys“-mäßig jedes Album anders gestalten wollten.“ So hatte Buddy sich nicht mehr wohl gefühlt mit der Idee wie es mal angefangen hat und wo es hingelaufen ist. 


Da stimme ich auch direkt mit ihm überein, wie wir ja auch in unserer Atomlabor Rezension zum Deichkind Album klargestellt hatten. Doch wir wollen ja nicht über Deichkind sprechen, obwohl es ein großer Teil von Buddy musikalischer Entwicklung war, sondern über ihn selber und sein neues Album, welches am 14.08. offiziell erscheinen wird. 
Aussage Buddy: „Dein Wort in Gottes Ohr“. 

So war mir klar, sieben Jahre Pause, bedeutet nicht rumlungern, sondern er musste ja kreativ tätig sein - „Was hast Du in den letzten sieben Jahren so alles kreatives veranstaltet?!“

Erste Kernaussage: „Ach, das würde den Rahmen sprengen…“ liegt bei einer so vielschichtigen Persönlichkeit wie sie Bartosch Jesnach präsentiert nahe und so erzählte er mir vom Bau seines dritten Studios „endlich kein Stress mehr mit den Nachbarn“, der Arbeit hinter den Kulissen - so hat er sich in die „Filmwelt“ reingefuchst und ein wenig Sounddesign gemacht. Auch Konzepte für Veranstaltungen wurden von ihm erarbeitet und halt parallel immer Musik gemacht. 

Selbst produziert, getextet & eingesungen. Beim Layouts-für-andere-Sammeln hat sich Buddy vom Rap gelöst und sich in der Rolle des Pilotsängers wiedergefunden. Entstanden ist dabei dieses eigenständige Album mit all den gesammelten Eindrücken und Einfüssen etlicher Genres. Zu Buddys ständigen Begleitern, dem Hip Hop Club Sound und Rare Grooves, gesellen sich nun auch klassisches Songwriting mit Bluegrass-Folk, Library Jazz & Roadrock.

„Die Antennen waren schon ganz schön abrasiert“

Der Fokus lag aber tatsächlich in der Entschleunigung um neuen musikalischen Input und einen neunen Stil zu finden ( mit Verlaub, dies ist aus meiner Sicht beim neuen Album gelungen ). Also eine Abkopplung von den alten Deichkind-Werken und was neues eigenes.
Der Abstand hat seine Zeit gebraucht, aber was noch mehr Zeit brauchte war die Tatsache, dass man ein neues Netzwerk aufbauen musste. Neues eigenes Label ( Holo rec.), alles in Eigenregie. Das ist schon eine Hausnummer. 

„Du musst die richtigen Leute finden, die auch im Netzwerk das ganze pushen, … es gibt mittlerweile nicht mehr so viele Profis die im Aufbau von neuen Sachen (so wie damals), die Luft, den Atem, die Kohle haben, sich so ein Risiko anzulachen, wenn man nicht absehen kann ob es irgendwie funktioniert und man die ganze Arbeit auch irgendwie bezahlt bekommt.“


Was viele vergessen - zum Beispiel die Arbeit hinter einem Video.

Stichwort „Kohle“ - Produktionen kosten Geld.

Tja, so ist es nun mal und unterm Strich vergessen es die Meisten oder sehen es nicht, da man so verwöhnt ist jeden Tag ein neues Video präsentiert zu bekommen, ein neues Album usw.. da wird schnell ausser Acht gelassen wie viel Arbeit hinter so einer Videoproduktion steht, Manpower und Vorbereitung. „Das haben die Kids einfach nicht auf dem Zettel, sondern haben es einfach so akzeptiert, das die Mukke halt fast umsonst ist.“ —- Ich falle ihm ins Wort ( Unart von mir), weil ich da voll und ganz seiner Meinung bin. Jetzt macht Buddy nicht alles alleine „Ich bin ja keine Krake mit tausend Armen“, aber alles ging und geht durch seine Hände und er ist quasi das Produkt was er auch verkauft.

Die Produktion des neuen Albums dauerte 3 Jahre und über 30/35 Stücke wurden in dieser Zeit entwickelt - davon kamen 14 auf das Album „Unkaputtbar“.

Meine Überraschung zum neuen Album.

Ich hörte das neue Album zum ersten Mal und war überrascht, wie wenig Rap auf der Platte war.

Also meine Frage an Buddy, welches Stück ist das Highlight für Dich auf dem neuen Album und aus der Vergangenheit?!

Buddys Lieblingsstück vom neuen Album: Hulahub und Vodka Soda… „Ich habe viele Favoriten“

Von den alten Sachen „Königlich Royal über „Komm schon“… echt schon ein Evergreen geworden …. „ … „es gab viele und ich versperre mich ja gar nicht gegen den ganzen Rapshit gegenüber, aber in den Jahren jetzt, hat sich alles achterbahnmässig entwickelt, wieder komplett so runter zu den Roots, ganz einfachen banalen Raptracks, die jetzt wieder ein bisschen Spannung kriegen und die Qualität jetzt auch wieder wächst so… jetzt schiessen auch so richtig schlaue neue Pilze aus dem Boden wie Sichtexot, Retrogott, Dexters Umfeld…. Audi88. Bands die bei Dendes Niveau von damals anknüpfen. Jetzt (2015) wird es halt wieder spannend."

Unterm Strich gab es aber in den letzten sieben Jahren wenig für Buddy, was ihn inspiriert hat ein neues geiles Rapalbum zu machen.

Wir sind uns einig, die 90er Welle und der Spirit ist wieder da - doch stellen wir auch in Frage ob es uns nur kicked, weil es uns an damals erinnert ?! Doch es geht halt nicht um „Klischee erfüllen“, sondern um Spaß.

So musst Buddy Buxbaum auf jeden Fall so richtig überredet werden, auch Rap auf seinem neuen Album hören zu lassen. So bis vor einem Monat vor Produktionsende von „Ballast“ war kein Rap drauf. Dann hatte Jansen, der Pianist, der auf dem Album das Klavier bei Ballast einspielte, interveniert „Das kannst du doch nicht bringen, ich mag dich doch so gerne rappen hören.“
Auf diesem Weg „Danke Dr. Jansen“, ich nämlich auch.

Wie bist Du eigentlich auf die musikalische Mischung gekommen?!
„Nun es ist ja kein Konzeptalbum“ - eher so, aufgewacht, „darauf habe ich jetzt bock“.
Es sollten einfach mal alle Einflüsse herausgehauen werden und dann mal geguckt was so passt.

Gemacht wurde was Buddy kickte - er hört so viel verschiedene Mukke, da will man sich nicht auf ein Genre festlegen - nicht zu poppig, aber auch nicht für Spezialisten… 
Das Album ist so unterschiedlich, da es nicht in einer Stimmung ( einem Mood ) hergestellt wurde, sondern über einen Zeitraum von drei Jahre. So wurden aus Layout-Projekten, Piloten für andere Akts, ein eigenes Album.


Der Albumname

„Ich habe das Album Unkaputtbar genannt, weil ich halt im Endeffekt auch wollte, dass es selbst im besten Fall auch noch in 10 Jahren gezuckt werden kann und man immer noch was damit anfangen kann.  Songs die irgendwie unkaputtbar sind und nicht ein Verfallsdatum von einem halben Jahr haben und die passen nur in die Zeit, sprechen halt nur die Sachen an die jetzt halt aktuell sind und in fünf Jahren kann keiner mehr was damit anfangen. Sondern wollte halt irgendwie (schlechtes Wort, Einwurf von Buddy) “Klassiker“ erschaffen, Songs die halt lange anhalten. Und da habe ich halt gesammelt und es sind so Songs wie „Ballast“ entstanden, so aus einer Pechphase heraus… die sind halt echt schon drei Jahre alt und haben immer noch Bestand… und wenn man nach der langen Zeit sagen kann, dass man immer noch dazu stehen kann und man findet es immer noch geil, dann hat das Ding auch den Platz auf dem Album verdient würde ich sagen“. 

Schöne Aussage, man sieht und hört es sind Tagesdokumente, die gesammelt ein rundes Album ergeben. Robodisco ist zum Beispiel ein Beatmix der schon 5 Jahre alt ist und trotzdem super funktioniert - für mich wirkt es wie eine Hommage an Deichkind.
Grundsätzlich ist es ein ruhigeres Album und Buddy wirft direkt ein „ich wollte kein Proll- Danceflooralbum machen, eigentlich ein Couchalbum - was man sich von Anfang bis Ende anhört“.

Ich werfe ein wenig spitz „Autobahnmukke“ ein und meinte das nicht negativ, sondern man stellt fest das man die Musse hat das ganze Album durchzuhören. 

„Ich habe nichts gegen Autofahrmukke“, so Buddy „…bei Medizin tritt man dann so aufs Gas… einfach.“

Drei vier Nummern sind in einem abgeschiedene  Waldhaus von nem Kumpel entstanden, einfach mal ein Tapetenwechsel - drei Wochen sind dann dort mit einem kleinen Set die Tracks entwickelt worden. Anfang, Ende und Chöre werden von Buddy himself produziert und so tut so eine Auszeit auch gut und spiegelt sich im Album wieder. Entstanden ist dort unter anderem der Song der auch beim Bundesvision Song Contest präsentiert wird und wo wir hier im Atomlabor gerade die Videopremiere feierten „Termin im Park“ und halt „Medizin“.

Statt Terminen hinterher zu husslen, 37°C … was passt da besser in die Zeit als der Song „Termin im Park“. Am Anfang war es um die Nummer noch ein kleines durcheinander, aber nun ist Buddy sehr zufrieden damit, dieses Stück auf dem Album zu haben… eine gute Entscheidung.

„Es macht gute Laune, ist ne coole Nummer, nicht zu poppig nicht komisch das man sich angebiedert fühlt… es ist mein Sound und ich stehe dazu.“

Viel mit Wortwitz, aber „ausgemittet“ muss es sein, denn „nur auf Kasperletheater habe ich auch keinen Bock“. Der Fokus liegt auf „ehrlichen Facetten“, die Kunst ist es „wie bei Ballast, nicht rumzuflennen oder sich komplett Nackedei zu machen.“ Wichtig ist es nicht immer nur cool oder mit ner besonders witzigen Passage aus der Ecke zu kommen, sondern einfach auch mal einen Schritt zurück machen.“


Die Tagesreise für den Hörer.

Da musste sich Buddy aber auch erstmal ein bisschen herantasten, denn er kommt ja eigentlich überhaupt nicht aus der Sparte Singer-/Songwriter. Doch meine Feststellung dabei ist, ein gelungenes Werk. Kein Album das laut „Tara“ macht, aber ein mehr als solides Werk mit Nachhaltigkeit. Bei Hitec Overload mit seiner „ Steely Dan Westcoast Atmosphäre (Rock, Funk, R&B, Jazz und Pop)“ , da passt dann auch nicht immer der „Schnack, oder der Humor und immer wieder einen draufsetzen, das macht dann die Atmo kaputt, deswegen muss man sich dann zwingen selber ein wenig zurückzurudern und straight, ernsthaft zu erzählen, satt sich hinter Humor oder Coolness zu verstecken.“

Buddy beim Ausliefern | Foto FB
Besonders Stolz ist Buddy auf die limited Edition seines Werks auf Seven inch, ganz im Stil alter Reggae Singles, kann man dann jedes Lied einzeln auf dem heimischen Plattenteller wechseln und es zelebrieren. „So kann man bewusst die Platte hören“ - wie recht er doch hat.

Zum Abschluss unseres Telefonats fragte er mich noch welcher Track mir besonders gefallen hat, denn als Künstler hat man oft nicht mehr den nötigen Abstand zum „ganzen Salat“.  Nun Vodka Soda ist fein und gerade TakaTuka mit dem grundlatenten Bossa-Beat ist so eine schön behäbig abgedrehte Nummer, da geht einiges. 

Bei „Roulett“ musste ich noch mal einhaken - wenn es sich im Kopf dreht und so war der Track auch im letzten Drittel der Produktion entstanden und als letztes fertig geworden, halt stopp… als letztes „Vodka Soda“ und jetzt wissen wir auch alle was in einem „Moskau Mule" enthalten ist :D


Abschließend noch eine Lebensweisheit für Uns:

„Je größer der Pfau sein Rad schlägt, desto besser sieht man sein Arschloch“

Danke Buddy, war ein schönes Telefonat und Euch fürs Lesen.

Unser Albumtipp: Buddy Buxbaum - Unkaputtbar:
holorec.de

Album: "Unkaputtbar"
VÖ: 14.8.2015
Label: Holo Rec.
Vertrieb: Believe Digital / SPV

 
FotoCredits: 
© 2015 Benne Ochs.
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