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Donnerstag, 4. Oktober 2012

Der blutende Blogger, eine Geschichte von Heuschrecken, Wölfen und der digitalen Abmahnkultur in Deutschland



Traurig aber wahr, wir sind in Deutschland nicht nur digitales Entwicklungsland, so gar auch noch so daneben das man sich gegenseitig zerfleischt, ausweidet und auffrisst und verarscht.

Nicht nur Blogger untereinander, wo es jederzeit darum geht, Content möglichst schnell in die virtuelle Welt zu blasen, nein auch einige Lizenzfirmen (wenn man eine Ansammlung von wirbellosen Geistern so bezeichnen kann) versuchen Geld durch Abmahnungen an Bloggern zu "verdienen".

Wir sind nicht in Amerika und das ist auch gut so, aber die Amerikaner haben etwas was wir nicht haben, sie besitzen ein Gesetz das erlaubt Content in Wort,Bild und Ton ohne Anfrage an den Urheber zu verbreiten ( Fair Use ). Das amerikanische Gesetz besagt also, dass die Wiedergabe urheberrechtlich geschützten Materials zum Zwecke der Kritik, der Stellungnahme, der Berichterstattung, der Bildung und der Wissenschaft keine Urheberrechtsverletzung darstellt. 

So weit so gut, dieses Gesetz besteht aber nicht in "good ol´Germany".

Im "Krieg" um Zugriffe, Leser, biegen sich deutsche Blogger ein Contentcopyright so hin das es anscheinend ausreicht, wenn man ein Bild in den Blog einbindet und darunter schreibt wem das "Copyright" gehört - widersinnig Leute. 

Fakt ist, man müsste jeden einzelnen Content über den man schreiben will vom Rechteinhaber absegnen lassen. Kostet Zeit und in einer schnellen digitalen Gesellschaft muss man aktuell und schnell sein ergo diese Umsetzung ist nicht praktikabel für Blogger.


Viele Blogger fragen also nicht, sondern berufen sich darauf, dass es für den Rechteinhaber ja einen Mehrwert darstellt. Der Mehrwert ist die kostenlose Werbung die Verbreitung im Netz. Ja, so sehe ich das auch und dennoch (auch ich habe schon Abmahnungen erhalten ) wird es von einigen Firmen und deren auf Abmahnungen spezialisierte Anwaltskanzleien nicht so gesehen.

Hier geht es den Firmen aber nicht darum das man dem vermeintlich guten Zweck dienen möchte das Urheberrecht zu wahren, sondern es geht einzig und allein darum "Kasse" zu machen.

Googles Bildersuche wird bedient und anhand der Bildersuche werden dann Blogs gefunden, die evtl. geschützte Bilder hosten und dann geht die Massenabmahnung los.
Dabei wird komplett ausser Acht gelassen das wir ja keine amerikanischen Verhältnisse haben. Nur eine Handvoll deutscher Blogger machen mit ihren Weblogs richtig Geld und verdienen hauptberuflich monatliche Beträge im höherem vierstelligen Bereich. Der große Rest dümpelt ohne Einnahmen oder mit "Kleckerbeträgen" dahin und dort ist nichts zu holen.
Das schreckt diese Heuschrecken und ihre Wölfe nicht davon ab ihre Fress- und Blutlust auszuleben, sie wollen Geld - viel Geld.


Aktuell geht es um einen Fall wo die Kanzlei activeLAW im Namen der Agentur hgm-press Michel OHG, Blogger abmahnt und dort geht es um ein Bild und Abmahnsummen um ein paar !!!tausend Euro .

Dabei handelt es sich aber meiner Meinung nach nicht um eine Abmahnung (Definition: Die Abmahnung hat die Funktion, Streitigkeiten auf direktem und kostengünstigem Weg ohne Einschaltung eines Gerichts beizulegen) sondern um eine Abstrafung bzw. eine perfide Art um schnell an Geld zu kommen, da man eigentlich vor Gericht ziehen will.

Klar kann man jetzt sagen das Blogger die wie in diesem Fall ein Bild des Legokünstlers Nathan Sawaya eingebunden haben selber Schuld sein könnten, aber "bitte" lieber Leser, hier geht es um ein Bild und so wie es scheint wurden die Rechte noch nicht einmal an die oben angegebene Agentur abgetreten (siehe unten ).

Dazu kommt noch, dass hier etwas wirklich nicht im deuschem Urheberrecht stimmt. Abmahnungen sollen bitte das sein und bleiben was im Ursprungssinn angedacht war, ein erhobener Zeigefinger. 

Ein kurzes Anschreiben mit der Bitte nicht erwünschtes Material von jeweiligen Blogs entfernen zu lassen würde es auch tun, aber diese "unlautere" Geldmacherei unter dem Deckmantel des Gesetzes ist meiner Meinung nach unwürdig - nein so gar schäbig. 
Ganze Kanzleien leben scheinbar nur noch davon das Netz nach eventuellen "Verletzungen" zu durchforsten um dann mit überzogenen Abmahnforderungen Privatpersonen in den Ruin zu stürzen. Man hält sich scheinbar für Kreuzritter, man arbeitet ja im Zeichen des Guten und bewahrt die digitale Welt vor dem Contentklau. 

Weit gefehlt, viele Künstler die ich kontaktiere freuen sich immens über Beiträge auf meinem Blog und stellen mir gerne ihre Bilder, Videos und Co. zur Verfügung, weil sie den Mehrwert erkannt haben.

Es ist dringend an der Zeit diesen Abmahnheuschrecken das Handwerk zu legen. 

Wir brauchen auch in Deutschland "Fair Use". Dringend!

Was die bisher unbestätigen "Rechteinhaber" in diesem Fall anbelangt, so kann man nur festhalten, dass sie sich einen massiven Imageschaden herbeigeführt haben.

Der kranke Shice an diesem Fall ist aber, dass der Legokünstler Na­than Sa­w­ya in der Ver­gan­gen­heit der Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Bil­der auf an­de­ren Sei­ten ziem­lich po­si­tiv ge­gen­über stand und auch jetzt noch auf seiner Homepage die Bilder mit einer "Share-Funktion" hinterlegt.

Sa­wa­ya selbst hat sich in der Angelegenheit bei Rene auf Nerd­core und We Like That per­sön­lich zu Wort ge­mel­det, auch ich hatte ihm in seinem Facebookprofil auf diese Siuation in Deutschland aufmerksam gemacht.
|This is Na­than Sa­wa­ya. I have been no­ti­fied that my art is the sub­ject of this mat­ter. To be clear, I am not re­pre­sen­ted by this law firm. I am not re­pre­sen­ted by this photo agen­cy. If you have any ques­ti­ons, you may email at info@​brickartist.​com.

Tja, angeblich besitzen hgm-press Michel OHG die Rech­te an zu­min­dest einem von Sa­wa­yas Bil­der in Deutsch­land und mahnen nun fröhlich ab - so einfach kann man also an Geld kommen - Skrupellos meine ich und jeder wird mal seinen Richter finden.

Dabei kommt es noch wilder, der Künstler schreibt das er immer noch der Rechteinhaber ist und seine Verlobte das besagte Bild gemacht hat:

|My fiance took the photo. My company owns it. We have not sold the rights to it.
My lawyer is reviewing this matter. I am not represented by the German law firm who sent the letter. I am not represented by this photo agency. Please spread the word.
Also, I grant you permission to use the photo for editorial purposes on your blog. ( via welikethat.de )

Wer verklagt nun den Kläger !?

Aktuelle Wendung im Fall ( 05.10.) :
welikethat.de/2012/10/04/aktueller-abmahnstand

Kurz:
Der Künstler selber will das seine Kunst geteilt wird, die Rechte liegen aber wohl echt bei einer Agentur.


7 Meinungen:

Claudia Klinger hat gesagt…

Es ist ein Skandal, dass im Jahre 2012 noch immer nichts an der Rechte-Lage geändert wurde! Mittlerweile sind doch ca. 25 Millonen Deutsche auf Facebook, 75% der Bevölkerung ist online - mich wundert, dass es die alle offenbar noch nicht so richtig interessiert, bzw. sich viel zu wenige damit befassen! Dabei ist doch jedes nicht selbst gemachte Bild, das in den sozialen Netzwerken hoch geladen oder auch nur "geteilt" wird, potenziell abmahngefährdet - und wenn man das mit der zunehmenden "Klarnamen-Kultur" sieht, wird es richtig brisant! Ganz zu schweigen von Diensten wie Pinterest und all den "Reblogging-Tools", die gerne genutzt werden, auch von Deutschen!

Tom hat gesagt…

"Fair Use"? Sollen Berufsfotografen oder Bildagenturen Blogbetreiber, die mit dem Wiederkäuen von Internetzeug, Popkultur und Werbung, mit ihren Fotos deren Lebensunterhalt finanzieren? Das Problem ist doch: Am lautesten protestieren Blogger und Blogs, die den laxen Umgang mit Bildrechten zu ihrem Geschäftskonzept gemacht haben.

Hotcha hat gesagt…

Gratuliere, Du hast die Lösung gefunden. Du schreibst:

"viele
Künstler die ich kontaktiere freuen sich immens über Beiträge auf
meinem Blog und stellen mir gerne ihre Bilder, Videos und Co. zur
Verfügung, weil sie den Mehrwert erkannt haben."

Das ist es. Das muss gemacht werden. Wenn Du es kannst, können es andere auch. Wäre wahrscheinlich vernünftig, in dieser Richtung zu arbeiten - z.B. eine Plattform aufbauen, wo der Urheber ohne viel Papierkrieg sein Einverständnis geben kann. Warum eine Plattform? Weil es fachkundige Leute braucht, das juristisch einwandfrei aufzugleisen. Das sollte kein Problem sein.

Jens hat gesagt…

Warum setzen Fotografen ihre Bilder auf ihre Webseiten?
Richtig - Eigenwerbung.


Was macht so ein Bild perfekt?
Wasserzeichen!


Fair Use funktioniert in der Tat und bietet einen Mehrwert für alle.
Ja, in der Tat haben einige Leute es übertrieben und auf beiden Seiten gibt es schwarze Schafe.
Aber clever wäre ein liberaler Umgang mit der "Ware" Bild.


Interessant ist auch immer wieder zu sehen, dass die alteingesessene Presse in ihren Onlineangeboten genau die Bilder "verbloggen" wo der kleine Blogger an den Pranger gestellt wird.

Jens hat gesagt…

Lass uns anfangen!!!

Jens hat gesagt…

Das Internet ist eine amerikanisch bestimmte Kultur die in breiten Zügen deren Gesetzen unteliegt.
Deutschland bzw. deutsche Blogger und Webseitenbetreiber sitzen leider auf Grund alter Gesetze immer mit einem Bein im Knast oder auf einem Pulverfaß!

iamthesweetesttaboo hat gesagt…

Ich sehe das ja ähnlich wie Hotcha. Doch ich glaube es genügend Fotografen, die das ganz anders sehen! Da treffen zwei Interessengemeinschaften aufeinander. Die Gewinner der ganzen Misere sind bis jetzt die Kanzleien.

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