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Highballs at The Beach Club von Creative Use

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Highballs at The Beach Club von Creative Use
Aufgewacht in einer lang geschlossenen Strandbar.

Augen und Ohren geöffnet, es fühlt sich wie früher an, nur moderner. Ich nicke mit dem Kopf im Takt mit, es erreicht mein Herz, meine Augen werden feucht, es hat meine Seele erwischt. Eine Träne rollt sanft meine rechte Wange herunter und ich merke, wie in meinem Kopf Erinnerungen längst vergangener Urlaubstage aufwachen … 
Das mag gerade total kitschig klingen, aber dieses Gefühl hat diese Mini-EP gerade in mir erweckt.
Motor Mouth Drum Ensemble · Creative Use · CU012

Und da sitze ich nun.

Nicht wirklich natürlich in der Realität, aber in meinem Kopf. Auf einem dieser alten Holzstühle mit Bastgeflecht, die immer ein bisschen wackeln, während irgendwo hinter der Theke noch ein Kühlschrank voll mit Fanta Limón brummt, obwohl hier eigentlich seit Jahren niemand mehr ausgeschenkt hat. Der Boden klebt nicht mehr, die Gläser sind natürlich längst weggeräumt, aber die Luft hat noch diesen Rest von Sommer in sich, der riecht wie alte Sonnencreme, Salz, zu warme Nächte, ein bisschen billiges Parfum, Sand und diese merkwürdige Melancholie, die man nur bekommt, wenn Musik plötzlich eine Tür aufstößt, die man gar nicht gesucht hat.

„Highballs at The Beach Club“ macht genau das mit mir. Verrückt.

Drei Tracks, mehr braucht es gerade nicht, um im Kopf ein ganzes Archiv aufzuziehen, also dieses leise Gefühl von: „Du warst hier schon mal, vielleicht nicht genau hier, aber irgendwo dazwischen.“ Zwischen Urlaub, Jugend, späten Abenden, offenen Autofenstern und diesem einen Moment, in dem alles einfach leicht und unbeschwert war.

Die Songs kommen nicht mit der Tür ins Haus, nope, sie schieben sich ganz langsam durch den Vorhang der Vergangenheit hindurch und man ist überrascht, dass der Sound aus England kommt. 

Langsam, lässig, mit einem warmen Disco-Pop-Funkeln, das sofort den kalten Nacken erwischt. Jetzt aber nicht diese Sorte Musik, bei der man aufspringen muss. Ne, ne, eleganter. Und während ich zuhöre, merke ich, wie sich Bilder sortieren, die gar nicht sortiert werden wollen. Eine Finca irgendwo im Süden, Plastikstühle und die zu helle Mittagssonne dazu eine Cola mit Zitronenscheibe und zu viel Eis. Da liegt ein Lustiges Taschenbuch herum, die Seiten von der Sonne ausgeblichen... Vielleicht ist es auch gar nicht meine Erinnerung, sondern eine, die ich mir über Jahre aus Filmen, Plattencovern und alten Familienfotos zusammengebaut habe. Ach, egal, wenn es sich echt anfühlt, funktioniert es auch echt.

Das ist der Moment, in dem meine Augen feucht werden, weil es etwas berührt, das nicht jeden Tag angefasst wird, halt dieses innere Regal, ganz oben, hinten links. Da, wo die alten Urlaubstage liegen, die langen Hinflüge, das Buddeln im Sand und die Nächte in den Bars. Die Kassetten im Auto. und das Gefühl, müde und glücklich zu sein, ohne es benennen zu müssen. Und ja, vielleicht ist das jetzt ein bisschen viel für eine wirklich kleine EP mit drei Tracks, aber was soll ich machen, wenn sie genau dort landet?

Und genau das mag ich an diesem kleinen Cluster.

Singapore Ray: Midtempo-Disco-Pop mit warmem Flimmern und diesem Kopfnicker-Reflex.
Night Mine Balearic Funk für die Stunde, in der keiner mehr auf die Uhr schaut.
Fool You For Real Digitaler Synth-Funk, kühler, klarer und genau richtig nach dem ganzen Dunst.

„Highballs at The Beach Club“ hat diesen alten Glanz, diese leicht vergilbte 12-Zoll-Aura, aber es wirkt nicht aufgesetzt oder überzogen. Klar, es steht mit einem Bein in der Vergangenheit, aber mit dem anderen ziemlich sicher im Jetzt. 2026 ist ja auch so ein Jahr, in dem alles gleichzeitig passiert und alle graben im Archiv, Serien sehen wieder aus wie früher, Mode sowieso, Musik fischt ständig in alten Kisten. Eigentlich cool.

Gleichzeitig vibriert aber wieder das Handy, irgendeine App will Aufmerksamkeit und irgendein Feed dreht schon wieder frei, und man selbst steht mittendrin und fragt sich: War früher wirklich alles besser, oder hatten wir nur weniger Tabs offen?

Nun, kurz gesagt:
Es war nicht alles besser, aber die Erinnerung sorgt für dieses Gefühl. Lassen wir es einfach zu. Vielleicht ist „Highballs at The Beach Club“ genau deshalb so wohltuend.


Whatever you think it is... It might be.


Am Ende sitze ich wieder in dieser geschlossenen Strandbar und die Stühle stehen noch immer schief und draußen wird es heller. Irgendwo liegt Sand in einer Ecke, obwohl hier niemand Sand reingetragen haben kann. Mein Handy vibriert wieder. Natürlich. Die Gegenwart klopft an, ungeduldig wie immer, aber ich reagiere diesmal nicht sofort, denn ich lasse den letzten Ton noch ein bisschen im Raum stehen. Lasse das Gefühl sacken und wische meine Wange trocken. Danke für diesen schönen Trip.

Irgendwo in meinem Kopf ist gerade der Sommer wie früher aufgewacht und für einen kurzen Moment fühlt sich das Leben an wie damals, als alles unbeschwert und leicht war.

Release bei Bandcamp anhören
Atomlabor

synthpop


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Atomlabor ist der Blog von Jens Mahnke

Netzaktiv seit 1997. Blogger seit 2007.


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