NeoSoul zieht Sneaker für den Dancefloor an.
Detroit Rising Lush Grooves Vol. 1 ist am Start. Auf dem Papier liest sich das erstmal wie eine sehr geschmackssichere Remix-Sammlung , denn Mark Adams, musikalischer Leiter aus dem Umfeld von Roy Ayers, trifft auf Produzenten wie Jimpster, DJ Spinna, Kai Alcé, Kaidi Tatham und Matica. DownJazz Records und Detroit Rising kuratieren das Ganze. Fertig ist die Sache?
Nee, eben nicht. Also, nicht ganz.
Das hier ist nämlich keine dieser Remixplatten, bei denen man ein paar Beats unter bestehende Songs legt und hofft, dass der Club schon gnädig sein wird. Lush Grooves Vol. 1 fühlt sich real an wie ein Gespräch zwischen Generationen. Auf der einen Seite dieser warme, live eingespielte Neo-Soul-Jazz-Geist und auf der anderen Seite Produzenten, die genau wissen, wie man einen Groove in Bewegung bringt, ohne ihm die Seele aus der Tasche zu ziehen. Ya´ll know what I mean.
Aus Brooklyn, Detroit und dieser warmen Ecke zwischen Jazzkeller und Club
DownJazz Records ist das Label, das schon vom Selbstverständnis her nicht nach Algorithmus klingt und das ist in diesem Fall mehr al gut, sehr gut. Boutique Imprint, NYC und Detroit im Rücken, ein Ohr auf Soul, R&B, Nu-Jazz und Electronica, das andere Ohr offenbar direkt am Basslauf. Und dahinter steht David Schwartz. Man merkt dieser Veröffentlichung an, dass hier nicht wahllos Namen auf ein Cover geklebt wurden.
Die Basis kommt von This Is Neo Soul, dem Live-Album von Mark Adams. Drei Jahre Arbeit, ein Ensemble mit reichlich Erfahrung und im Groove, dazu Verbindungen zu Namen wie Lonnie Liston Smith, Chic, Chaka Khan, Luther Vandross, Gloria Gaynor, Gil Scott Heron und Gladys Knight. Das klingt ja fast wie eine Museumsplakette. Das ist hier aber nicht so.
Weil Lush Grooves Vol. 1 genau den richtigen Gedanken hat: nicht konservieren, sondern weiterdrehen.
Die Remixe | Fünf Blickwinkel auf denselben warmen Kern
Die EP öffnet mit Talking Walls im Kai Alcé BBQ Mix und schon der Name passt. Keine sterile Clubnummer erwartet dich, sondern eher dieses warme Flackern, wenn Leute auf einer Terrasse stehen, jemand legt eine Platte auf und plötzlich reden alle leiser, weil der Groove gerade wichtiger ist als die Gespräche die man eigentlich führen wollte. Kai Alcé bringt diese Detroit-geerdete House-Wärme mit, ohne die jazzige Herkunft glattzubügeln.
Danach kommt Don’t Stop The Feeling im Jimpster Dub. Jimpster ist hier erwartbar elegant, aber nicht dekorativ. Sein Dub lässt Luft im Raum und die Nummer rollt, schiebt, federt, bleibt aber geschmackvoll genug, um nicht in diese Lounge-Falle zu laufen, in der alles nett klingt und nichts hängen bleibt, wie solche Balearen-Dinger.
DJ Spinna sollte eh ein Begriff sein. Er nimmt sich Open Letter vor und macht daraus einen Galactic-Soul-Remix. Der Titel ist nicht zu hoch gegriffen, denn das Ding schaut eher nach oben als nach vorne, aber ohne wirklich massiv abzuheben. Spinna kann diesen Trick: Soulful Dance Music, die nicht nach Retro-Kostüm müffelt, sondern nach Erfahrung.
Bei Day Dreaming darf Kaidi Tatham dann ran. Und ja, natürlich hört man diese Handschrift., denn diese Tasten, dieser Swing, diese gebrochene Bewegung, die nie nach Berechnung klingt, obwohl da rhythmisch einiges passiert. Broken Beat ist bei Kaidi kein Genre-Schild, sondern Körpergefühl und Pflicht.
Den Abschluss macht Talking Walls im Matica Funk Dub. Matica bringt dabei eine frischere Perspektive rein, etwas kantiger, etwas offener, aber ohne den Faden zu verlieren. Genau das tut der Sammlung wirklich gut. Die alten Wurzeln bleiben sichtbar, aber sie stehen nicht wie Betonpfeiler im Weg.
Lush Grooves Vol. 1 hat diese 70er DNA, aber sie wird nicht ausgestellt wie ein seltenes Möbelstück, sie wird benutzt. Bass an, Licht etwas runter, Raum öffnen, Menschen bewegen lassen.
Und genau deshalb passt die EP auch so gut in diese Zone zwischen Deep House, Soulful House, Broken Beat, Nu Jazz und Cosmic Groove. Sie ist nicht hektisch, nicht anbiedernd, nicht auf Streaming-Sekunden gebaut. Sie will nicht sofort alles erklären, sondern legt los, vertraut auf Musiker, Produzenten und auf dieses alte Versprechen, dass ein guter Groove mehr sagen kann als ein ganzer Pressetext.
Ein paar harte Fakten für die Plattenkiste
Artist: Jimpster, DJ Spinna, Kai Alcé, Kaidi Tatham, Matica, Detroit Rising
Titel: Detroit Rising Lush Grooves Vol. 1
Label: DownJazz Records
Release: 29. Mai 2026
Das Artwork stammt übrigens von MAST, einem Graffiti-Künstler aus Brooklyn.
Unterm Strich also: warm, groovig, musikalisch, mit genau der richtigen Menge Clublicht auf den Schultern. Keine große Pose. Einfach eine schöne EP, die ihren Stammbaum kennt.

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