Mamas Gun mit DIG!
Wenn der Soul so tief gräbt, dass die Zeit stillsteht.
Lass mal den digitalen Hochglanz-Pop ruhen, jetzt kommt die Zeit, in der wir keinen künstlich aufgepumpten Bass und erst recht keine seelenlose Playlist-Stangenware brauchen. Manchmal reicht ein ehrliches Stück Vinyl, der Geruch von warmgelaufenen Röhrenverstärkern und dieser eine analoge Vibe, der dich direkt in den Sessel drückt. Genau hier kommen Mamas Gun ins Spiel.
Die britische Formation hat am 10.04.2026 ihr sechstes Studioalbum „DIG!“ veröffentlicht. Und ganz ehrlich, wer hier länger mitliest, weiß, dass die Band bei mir eh schon einen Stein im Brett hatte. Aber diesmal gehen sie noch einen Schritt weiter. Einziger kleiner Punkt, über den man streiten könnte, ist der Release-Zeitpunkt. Dieses Album schreit eigentlich nach Mai. Aber egal. Es läuft auf dem Plattenteller und selbst graues Wetter fühlt sich plötzlich besser an.
Uiii.. der Geist von Gil Scott-Heron im Studio
Schon beim ersten Track „DIG!“ wird klar, wohin das hier geht. Dass Brian Jackson beteiligt ist, also der langjährige Partner von Gil Scott-Heron, ist kein PR-Gag, man hört es sofort. Dieser warme, leicht staubige Sound, irgendwo zwischen Roy Ayers und Earth, Wind & Fire, wirkt nicht wie ein Zitat, sondern wie gelebte Gegenwart und genau das macht den Reiz aus.
Ein Hörerlebnis ohne Reibungsverluste, was heute fast schon selten ist
Was „DIG!“ besonders macht, ist die Geschlossenheit der elf Tracks. Die Songs gleiten in Playlists rein, als wären sie schon immer da gewesen. Kein Bruch, kein Fremdkörper. Alles fühlt sich organisch an. Und trotzdem wird es nie eintönig.
Die Arrangements sitzen, die Dynamik passt, und die Rhythmusgruppe spielt so tight, dass man sich kurz fragt, ob die überhaupt mal Luft holen. Mamas Gun bewegen sich sicher im Soul, aber sie holen innerhalb dieses Rahmens erstaunlich viel raus. Das sorgt dafür, dass man das Album nach den elf Tracks einfach nochmal von vorne hören will.
Keine Lust auf Fast-Food-Texte
Auch textlich passiert hier mehr als nur Oberfläche. Die Themen gehen tiefer, bleiben hängen und wirken nach. Zusammen mit der sehr angenehmen Stimme entsteht ein Gesamtbild, das man heute nicht mehr oft findet. Das ist erwachsener Soul, mit einem leichten Yacht-Vibe, der irgendwo zwischen entspanntem Kopfnicken und innerem Grinsen liegt. Denn Andy Platts (Songwriter bei Mamas Gun) ist bekanntlich auch Teil des Duos Young Gun Silver Fox und dort wird dem feinsten Yacht Rock gefröhnt.
Dass das Ganze über Légère Recordings erscheint, passt perfekt. Das Label steht eh für Qualität. „DIG!“ ist ein rundes, ehrliches Album geworden. Eines, bei dem man einfach mal abschaltet und für eine Dreiviertelstunde raus ist.
Wer Mamas Gun bisher verpasst hat, sollte jetzt einsteigen. Grabt tief. Es lohnt sich.
Absolute Hörempfehlung aus dem Atomlabor. Das Vinyl kannst du hier kaufen um mich zu supporten.
6. Mai Stadtgarten, Köln

