Mit Fahrradfahren kann man mich jagen.
Ich bin Jogger. Läufer. Runner. Asphalt statt Sattel.Und trotzdem sitze ich nach jedem Gym Training Montags gute zwölf Minuten auf dem Bike. Nicht aus Liebe, eher aus Disziplin. Während ich dort kurble, wächst tatsächlich mein Respekt vor Menschen, für die das Rad nicht Trainingsgerät, sondern Freiheit ist, während mir der Hintern schnell weh tut.
Der preisgekrönte Dokumentarfilm Cycling the World begleitet die Filmemacherin McKenzie Barney auf ihrer Solo Weltreise mit dem Fahrrad. Kein großes Team, keine Hochglanzinszenierung, kein Marketing Pathos. Stattdessen Staub, Gegenwind und echtes Leben. Aber unterhaltsam umgesetzt. Real halt.
Worum es sich dreht:
Eine junge Frau entscheidet sich, allein einmal um den Globus zu radeln. Durch unterschiedliche Kontinente, Klimazonen und Kulturen. Der Film zeigt nicht nur die Route, sondern den Zustand. Monate im Sattel verändern den Blick auf Zeit, auf Distanz und auf das eigene Limit. Jeder Anstieg kostet Kraft. Jeder Kilometer erzählt halt eine Geschichte. Was diesen Film dann besonders macht, ist seine Direktheit, die Kamera ist nah dran. Man spürt Müdigkeit, Zweifel und auch Einsamkeit. Genau das sorgt für Glaubwürdigkeit. Es fühlt sich wie ein sehr persönliches Tagebuch an.
In Cycling the World geht es um Selbstbestimmung und darum, gesellschaftliche Erwartungen hinter sich zu lassen. Gerade weil hier eine Frau allein aufbricht, bekommt das Projekt eine zusätzliche Kraft. Es ist kein Klischee Abenteuer, sondern eine ehrliche Auseinandersetzung mit Risiko, Freiheit und Eigenverantwortung. Und Radfahren bedeutet dann irgendwie auch Verlangsamung. Keine schnellen Transfers, keine Abkürzungen. Man erlebt Entfernungen mit dem eigenen Körper. Diese Langsamkeit verändert dann auch den Blick auf die Welt. Und vielleicht auch auf das eigene Leben.
Warum sich das Anschauen lohnt
Wenn du Bikepacking liebst oder mit dem Gedanken an eine längere Tour spielst, findest du hier keine Packliste, sondern einfach "nur" Haltung. Wenn du gute Reisedokus magst, bekommst du Authentizität statt Postkartenromantik. Und selbst wenn du lieber läufst als radelst, bleibt am Ende vor allem eines: Respekt.
Dieser Film ist also weniger Anleitung als Einladung. Eine Einladung dazu, die Komfortzone zu hinterfragen. Ideen nicht nur zu denken, sondern einfach mal umzusetzen. Vielleicht sind meine zwölf Minuten auf dem Bike irgendwann mehr als nur Pflichtprogramm. Und ich laufe halt um die Welt ;)
mckenziebarneystudio.com
